22 September 2026

Fallende Wasser: von Felsen, aus verstopften Nasennebenhöhlen und beim Panoramapinkeln im Ötztal

Pienzige Nasennebenhöhlen habe ich schon mein Lebtag lang. Die jahrzehntelange Qualmerei - obgleich inzwischen Vergangenheit - wird es nicht besser gemacht haben. Bisher waren sie mir ausschließlich als lästige Zipperlein im Bewusstsein. Doch heute war ich diesen zur Verengung neigenden Gängen im Kopf für ihre Eskapaden fast dankbar. Hätte ich doch ohne sie vermutlich nie die beiden Kleinodien des Tages kennengelernt.

Am Montag nach dem Tegernseelauf von dort weitergefahren ins Ötztal. Nicht, ohne trotz regnerischem Wetter  noch einmal im deutlich kühler gewordenen See eine kleine Schwimmeinheit zu genießen. (Einschub: leicht fiel‘s mir nicht denn bisher mochte ich keine Freiluft-Schwimmeinheiten bei kühlem Regenwetter. Aber was tut frau nicht alles, um den nicht-Streak nicht abreißen zu lassen 😆).

Im Ötztal den Stellplatz auf ziemlich großzügigem und schniekem Campingplatz bezogen. Blick vom Mobil in die Berge. Grandios!


Am Nachmittag bei Sonnenschein nur noch eine kleine Spazierwanderung entlang der Ötztaler Ache (ziemlich flott fließend das scheißkalte Wasser. Gut, dass die Badeeinheit heute schon hinter mir habe) une zur Teufelskanzel.


Ein bisschen habe ich den Verdacht, das kühle Bad am Morgen könnte Nebenwirkungen gehabt haben: es zieht unangenehm in der linken Gesichtshälfte. Nicht sicher zu orten: Zähne, Oberkiefer, Nebenhöhlen? Ich messe der Sache keine allzu große Bedeutung zu und falle schon recht früh in einen tiefen Schlaf.

Um acht Stunden später - so kurz vor sechs - mit schmerzend ziehender Gesichtshälfte und verstopfter Nase aufzuwachen. Meerwasser-Nasenspray verwendet, Tee gekocht und getrunken und schon öffnen sich die zugeschwollenen  Nasenkanäle und lassen wasserfallartig klare Flüssigkeit entweichen. Nun schmerzt nichts mehr aber es läuft und läuft ohne Unterlass. Ein Gefühl, als würde mir das Hirn auslaufen. Gleichzeitig jucken und tränen die Augen, alles kribbelt.

Aus der für heute grob angedachten Gipfeltour - mal sehen, wie hoch ich es mit den ollen Knochen noch schaffe! - wird wohl nichts werden und so schniefe ich auch ein bisschen aus Traurigkeit über diesen Verlust. Überlege: der Campingplatz hat sehr großzügige Einrichtungen. Eine Sonnenterrasse mit Schaukel- und diversen anderen Liegen z. B. 


Hier ließe sich der Tag schon rumbringen! Zumal ich - nachdem ich gestern ein bezauberndes Buch beendet und darüber einen Beitrag geschrieben habe - heute früh ein, wie sich schnell herauskristallisierte nicht minder faszinierendes weiteres Buch zu lesen begonnen habe und erpicht darauf bin, darin bald weiterzulesen.


(Einschub: es ist ein eher seltenes Glück, gleich zwei großartige Bücher als Urlaubslektüre mitgenommen zu haben, die sich zudem beide als extrem passend zur persönlichen Stimmung, Landschaft und Lebenslage erweisen.)

Nach einem gelesenen Kapitel und einem Stapel vollgeschnäuzter Papiertaschentücher entschließe ich mich, doch zu einer kleinen Tour aufzubrechen. Mit dem Birdy-Rad. Krank fühle ich mich eigentlich insgesamt überhaupt nicht. Es tränen und jucken lediglich die Augen und die Nase läuft mit gelegentlichen Pausen, in denen die Nebenhöhlengänge wieder eine Weile dicht machen und verstopfen. Bisschen radeln sollte da nicht schaden. 


Als erstes Ziel steuere ich den Winkelbergsee an. Radele entlang der Ache einen sonnigen Radweg entlang, zweige dann ab auf einen ansteigenden Waldweg, muss ein bisschen schieben und erreiche dieses zauberhafte Idyll mitten im Wald. 


Unglaublich viele Fische schwimmen darin. Es ist ein privater Angelsee. Sieht dem kleinen Arbersee im Bayerischen Wald ähnlich. Ein wunderschöner Rundweg auch hier. Mehrere Bänke, Sonnenflecken. Außer mir noch zweimal zwei weitere Seebesucher. Die irgendwann - während ich lesend im weichen Nadelbett am Ufer liege und lese - verschwinden.  

Ich lasse die Füße ins Wasser baumeln. Kalt! Thermometer habe ich nicht dabei. Schätze auf ca. 15°C. 

Es sind nur Verbotsschilder zu sehen, die das Fischen verbieten. Über Badeverbote - wie in den vergleichbaren Bayrischen Waldseen überall vorhanden - sehe ich nichts. Und hätte es mich davon abhalten können? 

Kein Mensch weit und breit. Es ist zwar kühl aber wo die Sonne hinscheint, wärmt sie sehr zuverlässig. Einmal kurz eintauchen … das sollte schon gehen … da ist ja auch noch der nicht-Streak …  ein Handtuch habe ich standardmäßig sowieso immer dabei. Und die Nebenhöhlen? Achwas - zuviel Vernunft braucht‘s auch wieder nicht. 


Als ich ins flache Wasser steige und mich reinlege, stieben alle Fische, von ziemlich groß bis winzig klein, erschrocken auseinander und ergreifen die Flucht. Kaum liege ich still, kommen sie neugierig zurück. Umkreisen den dicken Fisch in ihrem Revier misstrauisch. Seit wann gibt‘s im Winkelbergsee Wale?

Den Fluten entstiegen und wieder angezogen lese ich noch in der Sonne liegend ein, zwei Kapitel. Der Kopf fühlt sich erstaunlicherweise freier und besser an als vor dem Bad. 

Fällt aus der Nase kein Wasser mehr, geht‘s weiter zum aus dem Felsen fallenden Wasser. Schon auf der recht kurzen Radstrecke konnte ich unterwegs an mehreren Stellen eindrucksvoll Wasserfälle aus den Felswänden stürzen sehen. Zum Aussichtspunkt des Lehner Wasserfalls möchte ich nun radeln und dort zum Aussichtspunkt aufsteigen.


Der Aufstieg zum Aussichtspunkt dauert eine gute halbe Stunde und geht ordentlich in die Beine. Auch hier bin ich alleine. Bewundere die tosenden Wassermassen, wie sie die Bergwand runterfallen. Über Vorsrpünge und durch Felsrinnen. Es lärmt und rauscht und … was passiert nicht selten beim Geräusch strömenden Wassers? Insbesondere, wenn man seit Stunden nicht auf Toilette war? Genau! Die Blase meldet sich zu Wort und möchte auch ein bisschen was strömen lassen.

So oute ich mich hiermit mit einer seit mehr als zehn Jahren gepflegten Liebhaberei, die vielleicht das Zeug zum SocialMedia-Trend hätte (nicht durch mich denn ich besitze nur ein verstaubtes FB-Konto aber keinen Instagram, Tik-Tok o.ä. Kanal auf dem die Macke sich um Follower bemühen könnte): dem Hang zum Panoramapinkeln. Also: irgendwo den Hang runter vor großer Kulisse (und keine Sorge: ich achte auf in jeder Hinsicht für andere belästigungsfreie Erledigung. Hinterlasse auch keine Papiere o.ä.)

Entstanden zunächst aus der puren Not(wendigkeit) auf meinen häufigen Fahrten in den Bayerischen Wald. Meistens losgefahren nach dem Kaffee und fast immer drängte selbiger noch vor Ankunft am Ziel nach außen. So lernte ich diverse perfekt geeignete Naturhaltestellen kennen, an denen sich dem Bedürfnis nachgehen ließ ohne die Mitmenschen durch Anblick oder anschließend möglicherweise üble Uringerüche zu belästigen. Einige davon, diejenigen mit dem besten Panorama oft weit über die Landschaft auf Berge oder über Wälder, Wiesen und Moore zu entfernten Ebenen wurden zur Reiseroutine. Gelegentlich verbunden mit einem Spazierründchen, kleinen Meditationen,  Qi-Gong Einheiten o.ä.

Inzwischen ist es eine Marotte geworden: die Suche nach und das Erkennen von  geeigneten ruhigen Pinkelplätzen mit Aussicht: Panoramapinkeln. Hobbies können so einfach und schlicht sein 😋

Dieser tosende Wasserfall mit seinen Steilhängen, schattigen Schluchten und dem steilen Aufstieg zum Aussichtspunkt, der könnte einen Spitzenplatz bekommen. Gäbe es denn eine Bewertungsskala der panoramareichsten Pinkelplätze.

So sitze ich nun im kuschelig warmen Gemeinschaftsraum des komfortablen Campingplatzes. Schreibe bei einer Tasse Tee diesen leicht exhibitionistisch angehauchten Blogbeitrag - alleine unterwegs zu sein macht vieles unkomplizierter - und werde mich gleich ins Mobil begeben. Heute Nacht soll hier die Temperatur auf +2°C absinken. 

So dankbar ich den Nebenhöhlen, ohne die der Tag heute wohl nicht so wunderbar stattgefunden hätte, auch bin. Für morgen hoffe ich auf  kooperative Abschwellung, die ein paar Höhenmeter mehr im Rahmen einer mittelgroßen Bergtour zulässt. Aber wie immer gilt: es kommt, wie es kommt. Das Ötztal taugt auch ganz gut zum Erholen bei Erkältungsanflügen.

🤧



5 Kommentare:

Catrina hat gesagt…

Ha, Lizzy! Ich weiss nicht, was beeindruckender ist: dass du in einem 15-Grad-See schwimmst oder dass du die Kategorie Panoramapinkeln erfunden hast!
"Seit wann gibt’s im Winkelbergsee Wale?" da haben die Fische wohl einen ordentlichen Schreck bekommen! Und ich finde, du solltest unbedingt eine offizielle Bewertungsskala für die besten PPPs (Panoramapinkelplätze) einführen. Der Lehner Wasserfall hat definitiv Chancen auf einen Spitzenplatz.
Und irgendwie ist es ja herrlich, dass aus dem geplanten Gipfeltag, der wegen der Nebenhöhlen ins Wasser gefallen ist, trotzdem so ein schöner Tag geworden ist. Deine Nebenhöhlen sind offenbar gute Reiseplaner!

lizzy hat gesagt…

HA, Catrina - ich habe tatsächlich mal nach dem Begriff gegoogelt und herauszufinden, ob außer mir diesen Begriff möglicherweise parallel erfunden hat. Habe aber nichts dazu im Internet gefunden. Also eine echte Erfindung meinerseits. Ich könnte noch weitere tolle PanoramaPinkelPlätze verraten. Lasse es aber doch lieber sein um nicht nachher Gruppenpinkeln veranstalten zu müssen ;)

Vielleicht sollte man gelegentlich wirklich die Körperteile über die Reise- und Tagesplanung entscheiden lassen: „Na, liebe Knöchel - wie seht ihr das heute in puncto Bewegungsprogramm?“ „Ach, doch besser radeln … na okay …“ Oder: „Piriformis, du meinst also, ich sollte erstmal einen Tag ein bisschen Yoga und andere Dehneinheiten absolvieren, bevor ich wieder auf dir und deinen Bedürfnissen joggend rumtrampele? .. ich überleg‘s mir …“

lizzy hat gesagt…

P. S. Im Winkelbergsee bin ich gar nicht geschwommen. Da habe ich nur ziemlich kurz - auf keinen Fall länger als eine Minute - am flachen Rand ein bisschen drinherumgelegen. Der hat ganz zarten, weichen Sandboden, der schnell aufwirbelt und der sich an den Füßen warm anfühlt.

regenfrau hat gesagt…

Liebe Lizzy,
ich glaube, bei den Panoramapinkelplätzen hast du die Nase vorn! Geeignete Pinkelplätze zu finden, kennt wohl jede von uns, aber dabei noch auf die Aussicht zu achten, ist einzigartig! :D
Du treibst dich also im Ötztal herum - wie schön! Da war ich noch nie ... und wieder zeigt sich, dass Bloggen bildet.
Und dass du deine Nebenhöhlen so in die Entscheidungen des Tages miteinbeziehst, werden sie sicher zu schätzen wissen. Ich finde eine gute Zusammenarbeit zwischen Körperteilen und Besitzerin ist etwas sehr wertvolles. Und dann habe ich noch den "leisen" Verdacht, dass sich da gerade eine Ganzjahresschwimmerin entwickelt!

lizzy hat gesagt…

Liebe Doris,

die Entstehung der PPPPs (perfektePanoramaPinkelPoints) war natürlich ein Zufall. Irgendwann saß ich am Hang und dachte so: „Wahnsinns Panorama hier - regelrechtes PanoramaPinkeln“ - und wenn ein Begriff in der Welt ist, dann bleibt der da auch erstmal und breitet sich aus …

Im Ötztal war ich .. jetzt musste ich suchen - aber wofür hat man einen Blog … 2007, also vor fast 20 Jahren schon einmal. Damals mit Mann und Alpenvereinsbus. Schlafloser Übernachtung und der höchstgelegenen Wanderung ever - bis auf fast 3500m.
https://powerlizzy.blogspot.com/2007/07/wenn-engel-im-tztal-wandern.html
Diesmal wollte ich versuchen, ob ich es nochmal zu Fuß bis über die Baumgrenze schaffe und es hat geklappt.
Hier im Ötztal ist wohl ganzjährig so ziemlich alles ausgebucht und entsprechend saftig sind die Preise. Hat mir gerade beim Plausch im Gruppenraum ein Österreicher aus Leongang (schreibt sich das so?) bestätigt, dass die hier schon überdurchschnittlich hinlangen. Er ergänzte es mit: „Und RECHT haben sie!“
Der hiesige Campingplatz baut ziemlich groß um und wegen geschlossenem Restaurant, indoor-Spielplätzen und einigen weiteren Einschränkungen sind die Preise stark reduziert. Mir ist das ja nur recht und man bekommt auf dieser Platzseite absolut nix mit von den Bauarbeiten. https://www.camping-oetztal.com/

Das mit der Winterschwimmerei … ich glaube, das bleibt bei mir arg reduziert. Immer wenn ich irgendwo - auch hier im Blog vor ein paar Jahren mal .- verkündet habe, dass ich das plane, folgte kurz darauf ein Infekt o.ä. und ich war raus. Habe es aber ohnehin immer mal wieder im niederschwelligen Rahmen praktiziert. Dabei festgestellt: spätestens dann, wenn bei anderen das Eisschwimmen losgeht, hört bei mir der Spaß auf. Es wird mir unheimlich und ich mag es auch nicht, unter sechs Grad ins Wasser zu gehen. Meine Lieblingstemperaturen liegen irgendwo im Bereich zwischen 12°-18°C. Das mit der Serie jetzt ist mehr eine Zwischenmarotte, nehme ich an. Heute z. B. war ich - wenn auch aus guten Gründen - nicht baden. Und morgen geht‘s zwar ins Outdoor-Wasser … aber ins ganz feudale https://www.aqua-dome.at/de/ :-D