14 November 2009

Katzen geh'n immer ...

... wenn sonst nix blogtaugliches zu vermelden ist ;-)

Auf ganz speziellen Wunsch: ein neues Posting. Aber sorry - außer Katzen taugt grad' nicht viel dazu ;-)




Die allerdings sind puschelig und bezaubernd und ... *hach* ... Gut, von denen mal wieder was erzählen könnt' ich auch. Soll ich? Hat da jemand "Nein" gesagt? Oder gedacht? - ich hab' nix gehört.

Andererseits: was könnte ich neues von den Katzen erzählen? Uns bieten sie immer neue Unterhaltungen - aber ob die wirklich blogtauglich und unterhaltsam sind? Eher nicht.

Auf dem Bild ist es zu sehen: Samadhi bekommt ein dichtes, puschelig-flauschiges Winterfell und räkelt sich bei abnehmenden Außentemperaturen zunehmend auch mal drinnen rum. Leider spielt ihr momentan ihr biologischer Autopilot nervige Streiche: nach wie vor ist sie wahnsinnig verspielt und es sieht oft so aus, als wolle sie nichts lieber als mit ihrem Gretchen-Töchterlein wie gehabt lustig durchs Haus toben.

Aber kaum kommt letztere in Berührungsnähe, schlägt das innere Pendel wie ferngesteuert um und der Trieb scheint ihr zuzuflüstern: "Das nervige Ding ist in einem Alter, in dem Katzenmütter ihren Nachwuchs vertreiben - also mach!" - und schon schlägt der Spielansatz um in Fauchen, Knurren und gelegentliche Pfotenhiebe.

Gretelherzchen war anfangs verunsichert. Inzwischen kennt sie das Mama-Theater und reagiert schlicht gar nicht. Hält meist Minimalabstand aber tut ansonsten, als wäre nix gewesen. Manchmal - selten - reitet sie der Schalk und sie springt spielerisch in fast-Berührungsabstand blitzschnell über die Zickenmama drüber und scheint sich eins ins Pfötchen zu lachen, wenn der überraschte Pfotenhieb ins Leere patscht. Nie faucht, knurrt oder schlägt sie zurück.

Die Momente der Innigkeit sind sehr sehr selten geworden - unter extrem günstigen Umständen: beide vollgefuttert mit Lieblingsfutter, lange aushäusig gewesen und/oder viel bespielt worden, hundemüde, gutes Wetter und was weiß ich noch alles ... lässt die Große ihre Kleine an sich heran, wenn sie sich wohlig auf einem Lieblingsplatz räkelt und gerade gestern habe ich beobachtet, wie sie - selber auf dem Rücken liegend - ihr Töchterlein einmal wieder mit beiden Vorderbeinen zu sich hin gezogen und dann innigs abgeschleckt hat. Beide waren glücklich und schnurrten sich einen Ast.

Es gibt ein Spiel, das beide weiterhin gemeinsam ausgiebig spielen können. Dabei ist nämlich keine allzu zwingende physikalische Annäherung notwendig. Dieses Spiel heißt: Maus quälen.

Und so bringt Samadhi immer wieder gerne Mäuse mit, sucht dann Gretchen und zitiert sie zum gemeinsamen Spiel. Da Gretchen inzwischen ebenfalls Mäuse fangen kann - und das auch tut, sind alle Mitglieder der Familie inzwischen total fit im Einfangen von Mäusen. Die Katzen, um sie reinzuschleppen - wir Menschen, um sie wieder rauszubefördern. Manchmal sind die Mäuse aber auch schon tot. Dann dürfen die Miezen draußen damit weiterspielen, was stundenlang dauern kann.

Oft schaut Samadhi auch nur dabei zu, wie Gretchen das arme Mäuslein ausgiebig zu Tode quält oder das tote Mäuslein in nimmermüder Begeisterung immer wieder in der Luft rumschleudert und auffängt. Nur selten wird eine Maus wirklich aufgefressen.

In trockenen, klaren Nächten in Samadhi viel unterwegs. Aber auch tagsüber hält sie sich gerne vorne auf der Straße bzw. auf dem Gehsteig auf - dort ist eben mehr Unterhaltung zu erwarten als in den herbstlich verlassenen Gärten. Bei jedem größeren Menschenschwung, der von der Bushaltestelle kommt, begleitet sie die Menschen oder einen ausgeguckten in relativ kurzem Abstand ein Stückchen und tut alles, dass sie angesprochen und beachtet wird. Räkelt sich kratzend an Bäumen, rast diese rauf und runter, sprintet auf den Menschen zu, wieder von ihm weg, schaukelt ihn anguckend auf Ästen über ihm ... sie produziert sich regelrecht schamlos bis endlich jemand anbeißt und sie anspricht.

Dann gibt sie sich zutraulich, geht ein bisschen nebenher - anfassen ist nicht sonderlich erwünscht - tut, als verstünde sie jedes Wort, hüpft auf Zäune und Mauern, die sie in Augenhöhe bringen und wenn ihre Reviergrenze erreicht ist, dreht sie wieder ab oder bleibt ein Weilchen sitzen und guckt dem Weggefährten hinterher. Bekommt irgendwer zufällig mit oder weiß, dass sie zu uns gehört, werde ich immer und immer wieder auf sie angesprochen. Wie "menschlich" und "verständig" sie sei - und so fröhlich und freundlich ... wenn DIE wüssten ...

Hier im Haus wird sie zwar zunehmend auch mal schmusig. Aber nach wie vor ganz die Diva. Nicht nur Gretchen wird hier und da angefaucht - wir Menschen teilen ihr Schicksal. Ist mieses Wetter, das Futter nicht lecker genug, es erdreistet sich jemand, sie beknuddeln zu wollen ohne ausdrückliche Aufforderung - dann liegen die Katzenohren sofort an und ein schlangengleiches Zisch-Fauchen in Richtung des dreisten Menschen erfolgt. Nimmt man nicht sofort die Finger weg, geht das noch zarte Fauchen über in ein dunkles kehliges Grollen der aus der Kehle - sie knurrt wie ein böser Hund. Noch haben wir es nicht ausgereizt und getestet, ab wann sie womöglich auch zuschlägt und kratzt ;-)

Das sanfte Gretchen faucht nie, knurrt nie, ist niemals böse oder auch nur schlecht gelaunt. Sie ist wie ein kleines Wunderkind: ausgeglichen, aufmerksam, freundlich, geduldig, anhänglich ... und u. a. alle diese Merkmale und auch ihr Äußeres brachten schon seit längerem den Verdacht auf, dass die fünf Geschwisterkätzen z. T. nur Halbgeschwister sind und auf jeden Fall die schwarz-weißen einen anderen Papa haben als die schlank-hochbeinigen.

Die langatmige Geschichte zur Erkenntnis erspare ich den geduldigen Lesern - aber es hat sich als fast sicher herausgestellt, dass Gretchen und Picasso blaues Blut in sich haben und einem Schäferstündchen mit einem reinrassigen und zwar "blauen" British-Kurzhaar-Kater entstammen, der nur eine Straße hinter unseren wohnt, quasi gleich umme Ecke ...

Das erklärt viel und zwar:

  • dass die beiden zu großen schweren Katzen heranwachsen. Picasso wiegt mit einem knappen halben Jahr schon gut 4 kg.
  • dass sie sich langsamer entwickeln als die anderen - BKH's sind "Spätzünder", wachsen aber bis zum Alter von 2 Jahren und können ziemlich schwer werden. Da steht uns noch was bevor ;-)
  • ihr ausgeglichenes, freundliches aber aufmerksames Wesen
  • ihre Standortreue - BKH's haben einen deutlich geringeren Freiheitsdrang und eignen sich gut auch für Wohnungshaltung
  • das aufmerksame Anpassen an uns Menschen - sie werden auch die "Hunde-Katzen" genannt
  • den gedrungenen Körper, das flauschige Fell mit dichtem Unterfell, die weiter auseinanderstehenden Ohren, die großen Augen und eher kurzen Beine
  • dass sie einem tief in die Augen schaut und bewusst langen Blickkontakt sucht
  • das "stille Miauen" - ich hielt es für eine ganz besondere Eigenart vom Gretchen aber es ist typisch für die "Briten", dass das ausgeprägte Backen-Schnurrhaarknüddelchen wie zum Miauen hochgezogen wird und herzergreifend vibriert - aber es kommt dabei kein Ton heraus.

Tja - da wollte ich immer ausdrücklich NUR pupsnormale ordinäre Hauskatzen und was macht meine Madame? Treibt sich mit sonem blaublütigen Adelsschnösel rum *tzä*. Aber ich gestehe: nachdem ich die Merkmale dieser in fast allen Farben vorkommenden robusten und alten Rasse durchgelesen habe, finde ich die Wahl nicht ganz schlecht. Und die Merkmale scheinen durchaus dominant zu sein, denn beide ziemlich gesicherten Abkömmlinge haben sie eigentlich ALLE komplett. Mal sehen, ob sie auch ab dem Alter von 2 Jahren so ruhig und bequem werden, wie es der Rasse nachgesagt wird. Sie sind ja nur halbe Briten. Aber wenn denn ... dann wird Gretchen eben zur lebenden Bett-Wärmflasche. Die Rolle liegt ihr jetzt schon ;-)