14 August 2016

Rossköpfe unter'm Sternenhimmel und bei Sonnenaufgang

kein Nebel -  das iPhone hat's nicht so mit Nachtaufnahmen

Wieder einmal eine meiner vielleicht leicht schrägen Ideen: antizyklisch zu den chronisch verstauten und verstopften Straßen um München und insbesondere in Richtung Berge rausfahren und eine Nachtbergwanderung unternehmen. Zum Rosskopf beim Spitzingsee. Einfachster Weg bzw. fast durchgängig Schotterstraße bergauf - in der Dunkelheit spielt Landschaft ohnehin keine Rolle.

Gelegentlich wird Stirnlampenunterstützung notwendig bei der Wegefindung. Meistens reicht das Licht der sternenklaren Nacht. Mr. Mond allerdings, der in München noch kräftig leuchtete, hat sich bereits wieder zur Ruhe und außer Sicht begeben.

Nach gut 2 Stunden Gehzeit und 500 Höhenmetern und etwas schlechtem Gewissen ob der aus Nachtruhe aufgeschreckten Almkühe, die vom Weg aufspringen und angstvoll rumpelnd im Wald verschwinden, erreichen wir gegen 3:30 Uhr den Gipfel. Noch 2,5 Stunden bis zum Sonnenaufgang.



Der Gipfel "eingezäunt" mit einem allerdings sehr locker-lückenhaften und zum Glück stromlosen Flatterband. Der Rosskopf  beherbergt passenderweise 4 Rösser bzw. Pferde und  Ponys, die allesamt neugierig durch die Dunkelheit auf uns zutraben und die am Gipfel nun umzäunten Menschen freundlich beschnuppern. Keine Zeichen von Ängstlichkeit oder gar Unfreundlichkeit. Liebe Rösser sind das.

Absolut spektakulär und von mir in dieser Form seit vielen Jahren nicht mehr erlebt und gesehen: ein extrem klarer und sternenüberfrachteter Himmel. Milchigste Milchstraße, soger die "Vernetzungslinien" vieler Sternbilder (ich kenne ja nur die beiden Wagen aber Volker ein paar mehr) deutlich sichtbar. Fotos hätten das ohnehin nicht einfangen können und so verschmerzen wir relativ schnell, Volkers digitale Spiegelreflexkamera zu Hause vergessen zu haben und mit iPhone knippsen zu müssen.

Den mit Sternen regelrecht überfrachteten Himmel fotografisch festzuhalten, das wäre auch mit Kamera nicht gelungen. Satelliten ziehen ihre schnellen Bahnen, weitaus mehr Sternschnuppen als vorhandene offene Wünsche verglühen in kurzen hellen Streifen.



Einige Stündchen Schlaf oder zumindest Ruhe würde nicht schaden. Mitgenommene Picknickdecke, Schlafsäcke, warme Kleidung - alles wird ausgepackt und sich darin eingemummelt. Die Pferde legen oder stellen sich in nur wenigen Metern Entfernung ebenfalls relativ ruhig hin (dabei ist die Weide- und potienzielle Ruhefläche riesig! Entweder betrachten sie uns als Teil der Gruppe, die zusammenhalten muss oder sie möchten auch beim Sonnenaufgang am Gipfel sein ;).

Relativ ruhig sind sie, die Pferde. Ein mahlendes Schmatzen, Schnaufen, leises Schnauben, gelegentliches Scharren und vor allem: lautstarkes Pferde-Dauerfurzen mit durchaus auch olfaktorischer Wucht begleitet unsere Versuche, ein Gipfelschläfchen zu halten. Sie liegen so nah, dass wir uns theoretisch ankuscheln könnten und ich glaube, sie hätten nichtmal was dagegen gehabt.


Schlaf fanden wir beide keinen - aber etwas Ruhe dann doch. Wobei es recht frisch wurde in den Morgenstunden und sollte ein Leser auf die Idee kommen, etwas ähnliches ebenfalls unternehmen zu wollen, dann mein Rat: Isomatten mitnehmen! Eine Decke auch mit Aluisolation + Schlafsäcke sind auf Berggipfeln auch im Sommer nicht unbedingt ausreichend wärmend. Die Kälte von unten dringt im Laufe der Stunden durch.

Irgendwann vor sechs Uhr (offizieller Sonnenaufgang soll um 6:07 Uhr stattfinden) wird der Lichtstreif über den Bergen im Osten rot und röter.


Die Berglandschaft auf gegenüberliegender Westseite vom Licht angestrahlt, noch ehe die Sonne über den Bergen sichtbar wurde.



"Puh, da isse ja, diese bescheuerte Sonne. Können wir dann endlich gehen?" 

;-) So isser eben, der weltbeste Ehemann ;-)



Der Rückweg hat einige auch steile Grasshang-Anteile, die wir in der Dunkelheit niemals hätten finden können. Die noch schlafenden Kühe werden in etwas größerem Bogen umrundet, damit nicht noch einmal die Nachtruhe durch uns gestört wird.

Die Idee ansich ... die fand und finde ich immer noch gut. Zumindest der größere Teil von mir. Das Knie bzw. das ganze linke Bein hüftabwärts bis zum Fuß, das einfache Spaziergänge trotz erneuter Proteste bei Laufversuchen klaglos duldete, vermeldete schon auf dem Anstieg: "Egal, wie gemütlich und langsam: 500 Höhenmeter und mehrstündige Wanderungen mit Rucksack sind nicht klug. Ich trete peu à peu in Generalstreik". Auch Knie- und Fußbandage, beide vorsichtshalber ins Gepäck und dann zum Einsatz gebracht - konnte die Orthopädie nicht grundsätzlich milder stimmen. Das macht mich schon durchaus ein wenig traurig, dass ich nicht weiß, ob und wann ich wieder fußmobil sein werde. Es müsste ja nicht Laufen sein - aber so kleine, einfache und als "kinder - und seniorentauglich" beschriebene Spaziergänge auf  niedrige Gipfelchen der Voralpen, die würde ich schon gerne noch unternehmen können ....


So humpelte ich dann auch - trotz allem noch ein wenig die Ansicht des Spitzingsees genießend - gegen 9:00 Uhr in der Früh zum Auto, um auf noch relativ leeren Straßen - in Gegenrichtung begann schon wieder das Stauen - nach Hause zu fahren, wo beide fast umgehend ins Bett plumpsten. Gipfel und Sternenhimmel schön und gut .. aber ein echtes Bett hat schon seine Vorzüge ;o)