Um sechs Uhr zu Hause aufgebrochen, lockt um halb acht in Starnberg der bahnhofsnahe See zum Morgenbad. Ich widerstehe dieser Verlockung, da mir ein heißer und relativ langer Wandertag bevorsteht und verschiebe das Bad vom Starnberger See zum Ammersee, der Ziel meiner Wanderung ist.
Diese zwanzig Kilometer lange Strecke von Starnberg durch die Maisinger Schlucht über Kloster Andechs nach Herrsching am Ammersee steht seit Jahren oder eher Jahrzehnten auf meiner to-hike-Liste und soll an diesem warm-heißen SommerSonntag erwandert werden. Ich starte bei noch angenehmen Temperaturen - vermutlich irgendwas wenig über 20°C - in Richtung Maising.
Angenehm zu gehende Wege, ein grün einladendes Tor, ein Trinkbrunnen zum Erfrischen. Alles wunderbar! Einige Hundespaziergänger und Läufer begegnen mir. Die Strecke erscheint mir auch perfekt für eine Jogging-Einheit und ich überlege, das Tempo für ein Weilchen anzuziehen. Stelle aber nach kurzer Rückfrage an mich selber fest: nö - kein Tempobedürfnis sondern im Gegenteil Lust auf Gemütlichkeit, Schlendern und Genießen.
Zu alledem eignet sich diese Strecke außerordentlich gut. In der schattigen Schlucht entlang des Baches begleiten Vogelgesang und Wassergeräusche. Wobei auch die hier verlaufenden Bäche in diesem Jahr sichtlich wenig Wasser führen. Einige Seitenarme sind vertrocknet. Schön ist es trotzdem noch immer.
Nach dem Passieren der Schlucht führt der Weg über weite offene Landschaften mit Wiesen, Moorflächen und Äckern bei milchig verhangener Sicht zu den entfernten Bergen. Es wird heißer und trotz der nicht allzu dramatischen Höhenmeter mahnt mein Kreislauf eine Pause an.
Der kleine Maisinger See auf halber Strecke bietet sich dafür perfekt an. Ich ziehe kurz in Erwägung, hier ein Zwischenbad einzulegen. Genau im Umfeld meiner Pausenbank befindet sich die einzige erlaubte Badestelle am See. Ich wäre alleine, es sieht gemütlich aus. Ab und zu fahren im Rücken auf dem Weg ein paar Biker vorbei. Trotzdem entscheide ich mich gegen das Bad weil ich die dann nassen Badesachen nicht im kleinen Rucksack mitschleppen möchte. Außerdem zeigt ich am rechten Fuß eine kleine offene Reibestelle weil ich naiverweise davon ausging, auch in neuen Trekkingsandalen keine solchen bekommen zu können. Sie sahen vertrauenserweckender aus … nungut … zum Glück habe ich Blasenpflaster einstecken.
Nach einigen weiteren Wanderkilometern durch abwechslungreiche Landschaft, vorbei an diversen Höfen, an denen sich Honig oder Eier von hier freilaufenden Hühnern kaufen ließe - beides reizt mich aber ich habe keine Transportmöglichkeit - vorbei auch an einer JVA für sowas wie halboffenen Vollzug (Fotografieren im Umfeld ist verboten), vorbei an einem stimmungsvollen Friedhof mit schöner Kapelle … taucht in der nahen Ferne Kloster Andechs auf. Als ich unterhalb der heiligen Stätte mit weithin bekanntem Biergarten ankomme, schallt mir deutlich der Lärm der sonntäglich großen Touristenschar dort entgegen.
Weil ich keinen Einkehrbedarf habe, drehe ich unterhalb des Klosters ab und entscheide mich für eine über Topo-Maps gefundene Alternativstrecke zum Ammersee. Nicht direkt nach Herrsching sondern über Waldwege, vorbei an Bächen und Gräben (auch hier wenig bis kein Wasser drin) zum etwas außerhalb von Herrsching gelegenen Ammerseeufers. Dadurch wird meine Strecke um einige Kilometer länger aber da es nun nur noch bergab und dann am See entlang geht, nehme ich es für mehr Stille in Kauf.
Und endlich - angekommen am Ammersee, passendes Plätzchen gesucht und ein bisschen geplantscht. Das Wasser allerdings so erstaunlich warm, dass kaum Abkühlung stattfand. Erfrischend war‘s natürlich trotzdem.
Das für den Rückweg in Herrsching eingeplante Eis fiel aus denn vor den Eisdielen standen immer Schlangen der Eishungrigen und ich wollte gerne die nächste S-Bahn erwischen. Inzwischen doch müde und schlapp. Mit roundabout 25 Tageskilometern in den müden Beinen reichte es mir für den Tag und ich war froh, als ich nach 10 Stunden unterwegs endlich die Haustür aufschließen und erschöpft erstmal auf‘s Sofa plumpsen konnte.
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