08 Mai 2026

Als Groupie am Streckenrand zum Mount-Everest: Everesting Festival Garmisch-Partenkirchen

Es ist eine andere Welt, in der die Läufer dieses Trails sich bewegen. Kurz zusammengefasst: die Einzelläufer bewältigen beim Everesting Festival in Garmisch-Partenkirchen auf ca. 60 Streckenkilometern an ein bis zwei Tagen (wer möchte, auch über Nacht) ca. 9000 Höhenmeter! Das Ganze iin 18 Halbrunden von der Talstation der Eckbauernbahn bis zur Bergstation. Von dort geht‘s mit der Bahn wieder runter und dann auf die nächste 3,3km  Bergauf-Runde mit 505 Höhenmetern. 

Die Strecke derartig extrem steil, dass mit Sicherheit viele Durchschnittsautos nicht raufkämen. Die Steigungsprozente weiß ich im Moment noch nicht aber meine Beine fanden, dass man an einige Passagen genausogut eine Leiter hätte anstellen können zum raufklettern. Nachträglich habe ich mir den Spaß erlaubt, die durchschnittliche Steigung auszurechnen (bzw. ausrechnen zu lassen ;). Wenn man die 505hm auf 3,3km gleichmäßig verteilen würde, käme ein Schnitt von 15% Steigung raus.

Es sind aber auch flache Abschnitte dabei: ganz am Anfang einige hundert Meter, vor der Bergstation vielleicht 100-200 flache Meter und unterwegs auch einige kurze flache oder fast flache Abschnitte. Relativ wenig - aber vorhanden. Aber wenn man die Steigung auf 2,5km berechnet und annimmt, dass der Rest weitgehend flach verläuft, erhält man einen durchschnittlichen Steigungswert von 20%. DURCHSCHNITT!  😳 Es sind mehrere Passagen - zwei „Bretter“ insbesondere, die das deutlich toppen!

Aber der Reihe nach:

Manfred, ein mir bis heute im Realleben unbekannt gewesener Mitblogger, auf dessen LaufBlog ich seit Jahren mitlese (und umgekehrt), war mutig genug, sich für diesen unglaublichen Traillauf anzumelden und glücklicherweise schaffte ich es, einen Urlaubstag darauf zu verwenden, am ersten Eventtag für einige Stunden mit dem Zug nach Garmisch zu fahren um mir das Spektakel anzusehen. Als er seine vierte Runde in Angriff nahm, passte ich ihn am Start ab und plante eine Begleitungsrunde bis zur Bergstation.

Ich habe mir selbstverständlich die ausdrückliche Erlaubnis zum Vorab-Berichten und Veröffentlichen einiger Bilder eingeholt und mehrfach bestätigen lassen, dass es okay ist, wenn ich hier schreibe und Bilder veröffentliche, während Manfred noch auf der Strecke unterwegs ist. Dieser Bericht fungiert also als eine Art digitaler LaOla-Welle mit Cheerleaderpüscheln am Wegesrand, der den Anfeuerungs-Tunnel im Geiste ein bisschen symbolisieren soll.

Aus der Begleitungsrunde wurde nichts. Denn: nicht den Hauch einer Chance hatte ich, das Tempo mitzugehen! Ein paar hundert Meter und ich war schnaufend auf steiler Passage abgehängt. Der Weg zum Eckbauer (der nur wenige hundert Meter seitwärts der Bergstation und des Ziels ist) wird an der Talstation folgendermaßen ausgeschildert: mit Wegezeit 2 Stunden! Für Wanderer


Manfred hat ihn in den ersten Runden unter einer halben Stunde bewältigt (ich würde sagen: ein wenig überzogen ;) und ist zu der Zeit meines Auftauchens bei ca. 50 Minuten angekommen. Er tut mir den Gefallen, etwas Tempo rauszunehmen - aber wie gesagt: keine Chance! Ein bisschen ausgebremst zwar auch durch das vor genau einer Woche leider nochmal höher dosierte bzw. zweite eingeschlichene Blutdruckmittel 😔 mit dem mein Körper noch fremdelt … aber eine sonderlich gute Ausrede ist auch das nicht: auch ohne hätte ich dieses Tempo bei dieser steilen Bergstrecke niemals mitgehen können.

Etwas später kommt uns Manfreds Frau auf der Rückwanderung von oben entgegen. Er stellt uns gegenseitig vor, ein Plauderründchen … und so wird es eine für ihn mit einer Stunde eine etwas ruhigere Runde. Nach Luft schnappend ächze ich hinterher. Möchte schon auf jeden Fall einmal auch die Runde gehen. Die Wege sind breit genug, das Feld auseinander gezogen - die wenigen Wanderer (viele sind’s nicht - es gibt einen Grund, dass die meisten die Bergbahn nutzen ;). pausiere zwischendurch, bewundere auch die anderen Läufer, die zum Teil in unglaublichen Geschwindigkeiten die Steilwege hochrasen. Meine wandererprobten Trailsandalen rutschen mehrfach rückwärts …


Zu erkennen war es in keiner Weise, dass Manfred der älteste Teilnehmer ist - bei der nächsten Runde schwebt er nahezu den Steilweg hoch. Wird wieder eine Runde später - ich genieße derweil die herrliche Hochgebirgs-Aussicht rundum und eine frische Buttermilch beim Eckbauern - ist er einmal wieder gefragter Interview-Partner der Moderation am Berg.



Beim geschossenen Selfie sehe ich - nach geschneckten 500 Höhenmetern vernichteter aus als Manfred, der zu diesem Zeitpunkt schon ca. 4000 Meter in den Beinen hat. Das Basislager hat er locker erreicht.


Denn: diejenigen, die auf den realen MountEverest steigen, legen ja - weil sie viel höher starten - in Summe fast 3000 Höhenmeter weniger zurück als die Läufer in Garmisch. Helden! Alles Helden! Aber sowas von.



Ganz ohne Übertreibung packten mich Hochachtung und Ehrfurcht vor allen denen, die Körper und Geist zu derartig unfassbaren Kraftakten bringen können und lassen mich auch jetzt noch nicht los. Klar weiß ich, dass es gar nicht so wenige dieser Läufe und Teilnehmer daran gibt. Es mit eigenen Augen zu sehen, wie sie auf jeder einzelnen Runde trotz Schweiß, Leiden und Überwindung dran bleiben, immer neu in die nächste Runde starten … das ist eine ganz andere Hausnummer.

Und natürlich hoffe ich für Manfred und auch für alle anderen, die auf der Strecke waren und noch sind, dass sie das Ding ins Ziel bringen. Das wäre ein Fest!  

Weil ich selber wieder zum Bahnhof und mit dem Zug nach Hause musste, machte ich mich auf den Rückweg - auch bergab ist die Strecke wegen der Steilheit und Rutschigkeit nicht ohne - feuerte unterwegs an, begegnete Manfred nochmal kurz nach dem Start auf seine siebte Runde. Er sagte - und wer würde es nicht glauben - dass es schon sehr schwer wäre. Angesehen hat man es ihm kaum. 

Für mich gilt  gleichzeitig: egal, wie es ausgeht, ist alleine der Mut des Angehens, die bisherige Leistung und Stärke bei einer derartig energetischen Ausstrahlung in meinen Augen radikal heldenhaft!

Es gab noch viele wirklich interessante, lustige, spannende kurze Begegnungen unterwegs. Wortwechsel voller Humor und Witz oder wie ich vielen ohne viel flunkern zu müssen zurief: „Ist ja der Wahnsinn: nur schöne Menschen auf der Strecke!“  Ich hätte nicht schlecht Lust, einige der Dialoge aufzuschreiben. Aber im Gegensatz zur Heldenriege muss ich Weichei irgendwann schlafen - es würde wohl ausufern.

Ein Läufer in Badehose

Gut, dass ich hingefahren bin. Es war auch für mich ein sehr schöner Tag! Manfred kennengelernt, viele Held_innen bewundert und angefeuert, dieses Jahr zum ersten Mal Hochgebirge vor die Augen bekommen und Lust auf auch mal wieder Bergwandern zu gehen (langsam, versteht sich ;)


⛰️