Bevor das „Früher“ hintenüberfallen darf, spielt es beim Tegernseelauf zunächst diese Rolle: da bin ich früher - also als ich noch wirklich einigermaßen flott laufen konnte - nie mitgelaufen weil zeitgleich immer der Karlsfelder Seelauf stattfand, der näher und günstiger war und - weil die Promis am Tegernsee liefen - mir die Möglichkeit auf einen guten Platz eröffnete.
Der Tegernseelauf hat aber durchaus auch einiges an charmanten Punkten zu bieten: super Landschaft!
Angereist am (Sams)Tag vor dem Lauf mit dem Mobil unternahm ich nach Startnummerabholung, längerem BiergartenRatsch mit dem seit acht Jahren nicht mehr real gesehenen aber nie aus dem Mitlesefokus verlorenen Mitblogger Jörg und seiner Frau und einem Bad im ca. 18°C kühlen Tegernsee, noch einen gemütlichen Abendspaziergang.
Zweiter und für mich bedeutender Positiv-Punkt beim Tegernseelauf: der Zehner, für den ich mich schon vor längerem angemeldet hatte, hat sozusagen keine Zielschlusszeit. Er wird zusammen mit dem Halbmarathon gestartet und alle dürfen sich 3:30h Zeit nehmen um ins Ziel zu kommen.
Man muss lediglich flott sein bei der Anmeldung - dort laufen nicht nur durch‘s in erster Linie Laufen prominente Nasen sondern auch welche, die mensch aus dem TV kennt und die Läuferschar pilgert - man liest es an den Autokennzeichen und hört es an den SprachIdiomen deutlich - von nahezu überallher nach Gmund am Tegernsee und möchte mitlaufen. Nun also in diesem Jahr auch ich.
Die Hauptdistanz - den Halbmarathon, der einmal um den See führt - traute ich mir realistischerweise nicht zu bzw. hätte ich mir - selbst wenn ich in der Zielzeit durchgekommen wäre - meine ohnehin angemackelte (Haglund)Ferse komplett ruiniert. Bisschen Bescheidenheit, Vernunft und Bequemlichkeit darf auch sein für eine, die der Eventlauferei doch ohnehin längst abgeschworen hatte.
Morgens - dank Ohropax auch an lautem Bundesstraßenparkplatz mit Fußläufigkeit zum Startpunkt wunderbar ausgeschlafen - ohne großen Ballast die zwei Kilometer zum Start spaziert. Hier knubbelten sich auf relativ engem Gelände ziemlich unübersichtlich ziemlich große Läufermassen. Ich begab mich ins Schlussfeld und wartete relativ gelassen aber die lange nicht mehr genossene spezielle Atmosphäre genießend auf den um zwanzig Minuten verspäteten Laufstart.
Heiß war es, sonnig war es. Schwer fiel es mir durchaus. Obwohl ich nie riskierte, es in Quälerei ausarten zu lassen. Schon allein der sicherheitshalber bandagierten Problemferse zuliebe nicht. Nun war ich ja fast ganz am Ende gestartet, doch immer mal wieder überholten mich schnellere Marschierer und Walker. Dachte ich mir so: „Vielleicht wäre auch für mich das Walken ergonomischer“. Aber Pustekuchen! Dann werde ich auch dabei mit meinen kurzen Beinchen und der seit den orthopädischen und arthritischen ProblemUmbauten im krachenden Rücken, der seltsamen Beinhebeproblematik unergonomischer als (Achtung!) „früher“ und NOCH langsamer. Muss also wohl oder übel größtenteils schleichjoggen mit nur wenigen Walkpausen. Was sich für mich flott und dynamisch anfühlt. Echtjetzt.
Und das beste daran: es hat mir auch wirklich Spaß gemacht!
Und was sagt die Ergebnisliste? Mit meiner Zeit von 1:21:03 war ich zwar ziemlich weit hinten aber noch lange nicht letzte (was mir im übrigen auch egal gewesen wäre).
Noch ein Ratsch nach dem Lauf und ein weiteres Bad im Tegernsee.
Am Rande bemerkt: es war der sechzehnte Badetag in Freigewässer für diesen September. Zur Streakerin (eine Serie ohne Unterbrechung täglich durchziehen) tauge ich auch beim Baden und beim Laufen erst recht nicht. Diese Anforderung des „nicht abreißen lassens“ - auch wenn sie lediglich von mir an mich erfolgt - würde mich ungebührlich unter Stress setzen und so habe ich mir vor einigen Wochen das Ziel gesetzt: „Mal sehen, wie oft pro Monat ohne nennenswerten Stress und Verrenkungen für mich geht“.
Ich werde irgendwann vermutlich berichten 🙂




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