26 September 2026

Hoch hinaus und hoch hinein im Ötztal

Nach anfänglich leichten Neben- oder Kieferhöhlenproblematiken schien es sich am Folgemittwoch meines Ötztalurlaubs gebessert zu haben und so brach ich am späten Vormittag mit meinem Birdy-Rädchen ins fünf Kilometer entfernte und um ca. 300 Höhenmeter höher gelegene idyllische Örtchen Gries auf. Musste - ohne E sondern als BioBikerin unterwegs - nahezu komplett hochschieben und freute mich entsprechend auf die Rückfahrt.

Ein ausgesprochener Wunsch für den Urlaub hatte gelautet: einmal über die Baumgrenze hinaus wandern. Nachdem das Rädchen in Gries abgeschlossen und ich für‘s Wandern gerüstet war, ging‘s los in Richtung der auf 2362m gelegenen Winnebachseehütte. Idyllische zunächst waldig-felsige Wege gingen über in Latschenbewuchs und irgendwann nach der 2000m-Bank kam sie: die Baumgrenze.


Und bald danach die hochalpine Landschaft mit roten Beerensträuchern, Flechtenbewusch, bunten Felsen, rauschendem Bergbach und Wasserfall. 


Der Winnebachsee kalt, an der tiefsten Stelle max. knietief und voller sehr scharfkantiger aber rutschiger Steine, an denen ich mir einen blutigen Ratscher am Fuß zuzog und es also doch besser bei einem kurzen Fußbad beließ.


Für mich strahlt die karge hochalpine Welt Erhabenheit aus.


Ein kleiner Spaziergang noch rund um die auf  2362m ü NN gelegene Alpenvereinshütte, die Ende dieser Woche schließen würde, wie mir der (ziemlich schlecht gelaunt wirkende) Hüttenwirt (oder war es ein Angestellter?) mitteilte.


Ich könnte mir ein Süppchen und eine Johannisbeerschorle, dann ging es wieder an den Abstieg.


Der Bequemlichkeit halber hatte ich für die Wanderung wie so oft einen sehr leichten und luxoriösen Trekkingstock genutzt und stellte erst beim Abstieg fest, dass meine rechte Hand dadurch offensichtlich falsch be- oder insgesamt überlastet worden war, so dass das Daumen-Mittelgelenk stark schmerzte. Die Schmerzen verstärkten sich immer weiter - auch nachdem ich den Stock zusammegefaltet und im Rucksack verstaut hatte. Eindeutig einmal wieder und diesmal eine neue arthritische Entzündung in einem bisher nicht betroffen gewesenen Gelenk (davon gibt‘s auch immer weniger  😢…. )


Zurück in Gries war es kühl geworden, doch die flotte Abfahrt mit dem Rad nach Längenfeld dauerte zum Glück nicht annähernd so lange, wie die morgendliche Hochfahrt gedauert hatte. Froh war ich über die bis auf die Fingerproblematik einigermaßen locker bewältigte Wanderung mit insgesamt 1200 Höhenmetern je bergauf und bergab bis über die Baumgrenze. Damit war ein Plan für den Urlaub in die Tat umgesetzt und so genehmigte ich mir für den Folgetag mit angekündigten Regenphasen einen Rundum-Wellnesstag in der Thermen- und Saunalandschaft Aqua Dome in Längenfeld - direkt neben dem Campingplatz gelegen. 

Las beim Wellnessen fast in einem Rutsch dieses mich sehr berührende Buch durch, hoffte auf das schwefelige Mineralwasser, das das trotz Quarkwickeln und Tapen immer noch schmerzenden Daumengelenk befrieden möge. Es wurde besser doch nicht gut genug, der Hand wieder einen Trekkingstock zumuten zu dürfen.

Denn inzwischen wurde ich geradezu wagemutig und hatte beschlossen, am Freitag den zweiten lose gefassten Wunsch in die Tat umzusetzen. Eine Wanderung, die mich auf über 3000 Höhenmeter bringen würde. Mit dem Bus fuhr ich morgens nach Sölden, von wo die sehr komfortable Giggijochbahn mal eben locker einen Großteil der Höhenmeter wegschummelte und mich an der Bergstation auf 2200m gleich über der Baumgrenze entließ. 

So grandios die Bergwelt ist, so sehr stören bis verschandeln hier die massenhaft vorhandenen Lifte und technischen Geräte dieser auf Wintersport spezialisierten Gegend die Hänge. Die erste Strecke verläuft über Serpentinenstraßen, auf denen reichlich Baufahrzeuge lärmend Staub aufwirbeln.

Außerdem gibt es Moutainbikerstrecken und -trassen, auf denen sich mit auch anderen Liften nach oben transportierte Bikerscharen tummeln. Hier steppt der touristische Bär.


Dennoch hatte ich Respekt vor den noch zu bewältigenden gut 800 Höhenmetern bis zum 3018m über NN gelegenen Schwarzkogel, auf den meine Wanderwahl gefallen war. Nicht ohne Grund; gilt er doch als der in dieser Gegend am leichtesten zu erwandernde Dreitausender-Gipfel. Zweifel hatte ich an meiner Puste und Pumpe. Ich erinnerte mich noch sehr gut an meine Luftnot bei der schon 17 Jahre zurückliegenden Wanderung auf die Zugspitze, die nicht einmal 3000m hoch ist und die ebenfalls im Ötztal stattgefundene bisher höchste meiner Wanderung im Juli 2007 auf die Kreuzspitze mit 3456m hatte mich Puste gekostet. Und jünger bin ich seitdem eindeutig nicht geworden. 

2011 wurden mir Herzmacken bescheinigt und ich nahm seitdem an, dass der  häufig in größeren Höhen stattfindende rapide und unverhältnismäßig schnelle Leistungsverlust damit zusammenhängt. Seit 2015 nehme ich zudem Blutdrucksenker und war danach niemals mehr in solcher Höhe zu Fuß unterwegs. Die Wanderung zur Winnebachseehütte hatte mich zwar ermutigt denn mir waren keine nennenswerten Krafteinbußen aufgefallen doch heute sollte es nochmal etwas mehr als 600 Meter höher hinauf gehen.


Die Landschaft mit ihren bunten Felsen ein Traum! Schon früh öffnet sich der Blick auf den  Rettenbachgletscher. Davor der See für die Schneekanonen - aber auch er hübsch anzusehen.

Ein Stück weiter und über einen steinigen Pass hinweg öffnet sich der Blick auf ein wirkliches Juwel der Berge: den Schwarzsee auf 2800m Höhe. Er glitzert in der Sonne, die sich die dort herrschenden einstelligen Lufttemperaturen im Windschatten sehr viel wärmer anfühlen lässt.


Badesachen habe ich heute keine dabei. Hielt es für ausgeschlossen, hier in dieser Höhe und Kälte baden zu können. Es liegt hier und da Schnee. Doch der See bietet die Möglichkeit, sich hinter einer Felsnase ein klein wenig den zumindest wegnahen Blicken der Mitwanderer (es sind nicht sehr viele aber doch immer wieder einige) halbwegs zu entziehen. 


Ich schlendere erstmal unverbindlich dorthin und dann - ohne groß zu denken - entledige ich mich der Klamotten und tunke einmal ins wirklich extrem kalte Wasser ein. Ein Kälteschock! Aber auch belebend. Und mir wird bewusst: ich bin auf 2800m und kein noch so winziges Zeichen von Luftnot bis hierhin. Wie geil ist das denn!? Also weiter hoch zum Gipfel!


Da ich heute wegen des immer noch empfindlichen Daumens ohne Trekkingstock unterwegs bin, hüpfe ich wie in früheren Zeiten, als ich Trekkingstöcke schlicht nicht mochte, über die felsige Wackel- und Balancierpassagen. Und wie in früheren Zeiten macht es mir unglaublichen Spaß! 

Randnotiz an Catrina: weil mir das Wörtchen „früher“ in diesen Positivfällen gefällt, sehe ich für mich persönlich von einem Benutzungsverbot doch lieber ab ;-p

Wieso eigentlich bin ich irgendwann auf den Trip mit der Stockbenutzung geraten? Immer nur einen - zwei stören mich beim Wandern total. Aber der eine hilft eben doch, auch Kraft aus dem Oberkörper für den Aufstieg zu nutzen und nicht nur die Beine müssen sie aufbringen. Aber wie ich heute feststelle: die Beine können das noch und das macht mich ebenso glücklich wie der erstaunliche Umstand, auch auf 3018m üNN diesmal keinerlei Atem- oder Konditionsprobleme zu haben. Klar - es gibt einige Wandere, die flotter unterwegs sind. Der flotte Marathoni und frühere Triathlet aus Hamburg zum Beispiel, der mir zu mehreren Gipfelfotos verhalf. Aber das hier ist ja kein Wettkampf.


Der Rückweg zur Giggijochbahn verlief etwas anders als der Hinweg. Dort angekommen sonnte ich mich noch ein halbes Stündchen in einem Liegestuhl, fuhr ab Sölden zurück nach Längefeld und war dann doch am Abend unglaublich erschöpft. Eine schöne Erschöpfung gepaart mit dem Glück, mir für‘s kommende Jahr noch einige Höhentouren vorzunehmen. Wer hätte das gedacht?!


⛰️

Nachtrag: weil mir deutlich aufgefallen ist, dass ich, die ich ansonsten beim Lesen inzwischen weitgehend blind bin und ohne Lesebrille von zwischen 2 und 2,5 Dioptrien keine normalgroßen Texte mehr entziffern kann, in den Bergen plötzlich nix mehr am Handy vergrößern oder für jedes Nachgucken die Lesebrille rauskramen muss, zu Hause oder auch schon auf niedrigerem Höhenniveau aber leider wieder alles verschwommen wie vorher ist, habe ich die KI gefragt:


Wieder was dazugelernt. In den Bergen plötzlich Adleraugen …


22 September 2026

Fallende Wasser: von Felsen, aus verstopften Nasennebenhöhlen und beim Panoramapinkeln im Ötztal

Pienzige Nasennebenhöhlen habe ich schon mein Lebtag lang. Die jahrzehntelange Qualmerei - obgleich inzwischen Vergangenheit - wird es nicht besser gemacht haben. Bisher waren sie mir ausschließlich als lästige Zipperlein im Bewusstsein. Doch heute war ich diesen zur Verengung neigenden Gängen im Kopf für ihre Eskapaden fast dankbar. Hätte ich doch ohne sie vermutlich nie die beiden Kleinodien des Tages kennengelernt.

Am Montag nach dem Tegernseelauf von dort weitergefahren ins Ötztal. Nicht, ohne trotz regnerischem Wetter  noch einmal im deutlich kühler gewordenen See eine kleine Schwimmeinheit zu genießen. (Einschub: leicht fiel‘s mir nicht denn bisher mochte ich keine Freiluft-Schwimmeinheiten bei kühlem Regenwetter. Aber was tut frau nicht alles, um den nicht-Streak nicht abreißen zu lassen 😆).

Im Ötztal den Stellplatz auf ziemlich großzügigem und schniekem Campingplatz bezogen. Blick vom Mobil in die Berge. Grandios!


Am Nachmittag bei Sonnenschein nur noch eine kleine Spazierwanderung entlang der Ötztaler Ache (ziemlich flott fließend das scheißkalte Wasser. Gut, dass die Badeeinheit heute schon hinter mir habe) une zur Teufelskanzel.


Ein bisschen habe ich den Verdacht, das kühle Bad am Morgen könnte Nebenwirkungen gehabt haben: es zieht unangenehm in der linken Gesichtshälfte. Nicht sicher zu orten: Zähne, Oberkiefer, Nebenhöhlen? Ich messe der Sache keine allzu große Bedeutung zu und falle schon recht früh in einen tiefen Schlaf.

Um acht Stunden später - so kurz vor sechs - mit schmerzend ziehender Gesichtshälfte und verstopfter Nase aufzuwachen. Meerwasser-Nasenspray verwendet, Tee gekocht und getrunken und schon öffnen sich die zugeschwollenen  Nasenkanäle und lassen wasserfallartig klare Flüssigkeit entweichen. Nun schmerzt nichts mehr aber es läuft und läuft ohne Unterlass. Ein Gefühl, als würde mir das Hirn auslaufen. Gleichzeitig jucken und tränen die Augen, alles kribbelt.

Aus der für heute grob angedachten Gipfeltour - mal sehen, wie hoch ich es mit den ollen Knochen noch schaffe! - wird wohl nichts werden und so schniefe ich auch ein bisschen aus Traurigkeit über diesen Verlust. Überlege: der Campingplatz hat sehr großzügige Einrichtungen. Eine Sonnenterrasse mit Schaukel- und diversen anderen Liegen z. B. 


Hier ließe sich der Tag schon rumbringen! Zumal ich - nachdem ich gestern ein bezauberndes Buch beendet und darüber einen Beitrag geschrieben habe - heute früh ein, wie sich schnell herauskristallisierte nicht minder faszinierendes weiteres Buch zu lesen begonnen habe und erpicht darauf bin, darin bald weiterzulesen.


(Einschub: es ist ein eher seltenes Glück, gleich zwei großartige Bücher als Urlaubslektüre mitgenommen zu haben, die sich zudem beide als extrem passend zur persönlichen Stimmung, Landschaft und Lebenslage erweisen.)

Nach einem gelesenen Kapitel und einem Stapel vollgeschnäuzter Papiertaschentücher entschließe ich mich, doch zu einer kleinen Tour aufzubrechen. Mit dem Birdy-Rad. Krank fühle ich mich eigentlich insgesamt überhaupt nicht. Es tränen und jucken lediglich die Augen und die Nase läuft mit gelegentlichen Pausen, in denen die Nebenhöhlengänge wieder eine Weile dicht machen und verstopfen. Bisschen radeln sollte da nicht schaden. 


Als erstes Ziel steuere ich den Winkelbergsee an. Radele entlang der Ache einen sonnigen Radweg entlang, zweige dann ab auf einen ansteigenden Waldweg, muss ein bisschen schieben und erreiche dieses zauberhafte Idyll mitten im Wald. 


Unglaublich viele Fische schwimmen darin. Es ist ein privater Angelsee. Sieht dem kleinen Arbersee im Bayerischen Wald ähnlich. Ein wunderschöner Rundweg auch hier. Mehrere Bänke, Sonnenflecken. Außer mir noch zweimal zwei weitere Seebesucher. Die irgendwann - während ich lesend im weichen Nadelbett am Ufer liege und lese - verschwinden.  

Ich lasse die Füße ins Wasser baumeln. Kalt! Thermometer habe ich nicht dabei. Schätze auf ca. 15°C. 

Es sind nur Verbotsschilder zu sehen, die das Fischen verbieten. Über Badeverbote - wie in den vergleichbaren Bayrischen Waldseen überall vorhanden - sehe ich nichts. Und hätte es mich davon abhalten können? 

Kein Mensch weit und breit. Es ist zwar kühl aber wo die Sonne hinscheint, wärmt sie sehr zuverlässig. Einmal kurz eintauchen … das sollte schon gehen … da ist ja auch noch der nicht-Streak …  ein Handtuch habe ich standardmäßig sowieso immer dabei. Und die Nebenhöhlen? Achwas - zuviel Vernunft braucht‘s auch wieder nicht. 


Als ich ins flache Wasser steige und mich reinlege, stieben alle Fische, von ziemlich groß bis winzig klein, erschrocken auseinander und ergreifen die Flucht. Kaum liege ich still, kommen sie neugierig zurück. Umkreisen den dicken Fisch in ihrem Revier misstrauisch. Seit wann gibt‘s im Winkelbergsee Wale?

Den Fluten entstiegen und wieder angezogen lese ich noch in der Sonne liegend ein, zwei Kapitel. Der Kopf fühlt sich erstaunlicherweise freier und besser an als vor dem Bad. 

Fällt aus der Nase kein Wasser mehr, geht‘s weiter zum aus dem Felsen fallenden Wasser. Schon auf der recht kurzen Radstrecke konnte ich unterwegs an mehreren Stellen eindrucksvoll Wasserfälle aus den Felswänden stürzen sehen. Zum Aussichtspunkt des Lehner Wasserfalls möchte ich nun radeln und dort zum Aussichtspunkt aufsteigen.


Der Aufstieg zum Aussichtspunkt dauert eine gute halbe Stunde und geht ordentlich in die Beine. Auch hier bin ich alleine. Bewundere die tosenden Wassermassen, wie sie die Bergwand runterfallen. Über Vorsrpünge und durch Felsrinnen. Es lärmt und rauscht und … was passiert nicht selten beim Geräusch strömenden Wassers? Insbesondere, wenn man seit Stunden nicht auf Toilette war? Genau! Die Blase meldet sich zu Wort und möchte auch ein bisschen was strömen lassen.

So oute ich mich hiermit mit einer seit mehr als zehn Jahren gepflegten Liebhaberei, die vielleicht das Zeug zum SocialMedia-Trend hätte (nicht durch mich denn ich besitze nur ein verstaubtes FB-Konto aber keinen Instagram, Tik-Tok o.ä. Kanal auf dem die Macke sich um Follower bemühen könnte): dem Hang zum Panoramapinkeln. Also: irgendwo den Hang runter vor großer Kulisse (und keine Sorge: ich achte auf in jeder Hinsicht für andere belästigungsfreie Erledigung. Hinterlasse auch keine Papiere o.ä.)

Entstanden zunächst aus der puren Not(wendigkeit) auf meinen häufigen Fahrten in den Bayerischen Wald. Meistens losgefahren nach dem Kaffee und fast immer drängte selbiger noch vor Ankunft am Ziel nach außen. So lernte ich diverse perfekt geeignete Naturhaltestellen kennen, an denen sich dem Bedürfnis nachgehen ließ ohne die Mitmenschen durch Anblick oder anschließend möglicherweise üble Uringerüche zu belästigen. Einige davon, diejenigen mit dem besten Panorama oft weit über die Landschaft auf Berge oder über Wälder, Wiesen und Moore zu entfernten Ebenen wurden zur Reiseroutine. Gelegentlich verbunden mit einem Spazierründchen, kleinen Meditationen,  Qi-Gong Einheiten o.ä.

Inzwischen ist es eine Marotte geworden: die Suche nach und das Erkennen von  geeigneten ruhigen Pinkelplätzen mit Aussicht: Panoramapinkeln. Hobbies können so einfach und schlicht sein 😋

Dieser tosende Wasserfall mit seinen Steilhängen, schattigen Schluchten und dem steilen Aufstieg zum Aussichtspunkt, der könnte einen Spitzenplatz bekommen. Gäbe es denn eine Bewertungsskala der panoramareichsten Pinkelplätze.

So sitze ich nun im kuschelig warmen Gemeinschaftsraum des komfortablen Campingplatzes. Schreibe bei einer Tasse Tee diesen leicht exhibitionistisch angehauchten Blogbeitrag - alleine unterwegs zu sein macht vieles unkomplizierter - und werde mich gleich ins Mobil begeben. Heute Nacht soll hier die Temperatur auf +2°C absinken. 

So dankbar ich den Nebenhöhlen, ohne die der Tag heute wohl nicht so wunderbar stattgefunden hätte, auch bin. Für morgen hoffe ich auf  kooperative Abschwellung, die ein paar Höhenmeter mehr im Rahmen einer mittelgroßen Bergtour zulässt. Aber wie immer gilt: es kommt, wie es kommt. Das Ötztal taugt auch ganz gut zum Erholen bei Erkältungsanflügen.

🤧



20 September 2026

vergiss „früher“! lauf „jetzt“ trotz alledem und alledem. Tegernseelauf 2026

Bevor das „Früher“ hintenüberfallen darf, spielt es beim Tegernseelauf zunächst diese Rolle: da bin ich früher - also als ich noch wirklich einigermaßen flott laufen konnte - nie mitgelaufen weil zeitgleich immer der Karlsfelder Seelauf stattfand, der näher und günstiger war und - weil die Promis am Tegernsee liefen - mir die Möglichkeit auf einen guten Platz eröffnete.

Der Tegernseelauf hat aber durchaus auch einiges an charmanten Punkten zu bieten: super Landschaft!

Angereist am (Sams)Tag vor dem Lauf mit dem Mobil unternahm ich nach Startnummerabholung, längerem BiergartenRatsch mit dem seit acht Jahren nicht mehr real gesehenen aber nie aus dem Mitlesefokus verlorenen Mitblogger Jörg und seiner Frau und einem Bad im ca. 18°C kühlen Tegernsee, noch einen gemütlichen Abendspaziergang.

Zweiter und für mich bedeutender Positiv-Punkt beim Tegernseelauf: der Zehner, für den ich mich schon vor längerem angemeldet hatte, hat sozusagen keine Zielschlusszeit. Er wird zusammen mit dem Halbmarathon gestartet und alle dürfen sich 3:30h Zeit nehmen um ins Ziel zu kommen. 

Man muss lediglich flott sein bei der Anmeldung - dort laufen nicht nur durch‘s in erster Linie Laufen prominente Nasen sondern auch welche, die mensch aus dem TV kennt und die Läuferschar pilgert - man liest es an den Autokennzeichen und hört es an den SprachIdiomen deutlich - von nahezu überallher nach Gmund am Tegernsee und möchte mitlaufen. Nun also in diesem Jahr auch ich.

Die Hauptdistanz - den Halbmarathon, der einmal um den See führt - traute ich mir realistischerweise nicht zu bzw. hätte ich mir - selbst wenn ich in der Zielzeit durchgekommen wäre - meine ohnehin angemackelte (Haglund)Ferse komplett ruiniert. Bisschen Bescheidenheit, Vernunft und Bequemlichkeit darf auch sein für eine, die der Eventlauferei doch ohnehin längst abgeschworen hatte.

Morgens - dank Ohropax auch an lautem Bundesstraßenparkplatz mit Fußläufigkeit zum Startpunkt wunderbar ausgeschlafen - ohne großen Ballast die zwei Kilometer zum Start spaziert. Hier knubbelten sich auf relativ engem Gelände ziemlich unübersichtlich ziemlich große Läufermassen. Ich begab mich ins Schlussfeld und wartete relativ gelassen aber die lange nicht mehr genossene spezielle Atmosphäre genießend auf den um zwanzig Minuten verspäteten Laufstart.

Heiß war es, sonnig war es. Schwer fiel es mir durchaus. Obwohl ich nie riskierte, es in Quälerei ausarten zu lassen. Schon allein der sicherheitshalber bandagierten Problemferse zuliebe nicht. Nun war ich ja fast ganz am Ende gestartet, doch immer mal wieder überholten mich schnellere Marschierer und Walker. Dachte ich mir so: „Vielleicht wäre auch für mich das Walken ergonomischer“. Aber Pustekuchen! Dann werde ich auch dabei mit meinen kurzen Beinchen und der seit den orthopädischen und arthritischen ProblemUmbauten im krachenden Rücken, der  seltsamen Beinhebeproblematik unergonomischer als (Achtung!) „früher“  und  NOCH langsamer. Muss also wohl oder übel größtenteils schleichjoggen mit nur wenigen Walkpausen. Was sich für mich flott und dynamisch anfühlt. Echtjetzt. 

Und das beste daran: es hat mir auch wirklich Spaß gemacht!

Und was sagt die Ergebnisliste? Mit meiner Zeit von 1:21:03 war ich zwar ziemlich weit hinten  aber noch lange nicht letzte (was mir im übrigen auch egal gewesen wäre). 

Noch ein Ratsch nach dem Lauf und ein weiteres Bad im Tegernsee.

Am Rande bemerkt: es war der sechzehnte Badetag in Freigewässer für diesen September. Zur Streakerin (eine Serie ohne Unterbrechung täglich durchziehen) tauge ich auch beim Baden  und beim Laufen erst recht nicht. Diese Anforderung des „nicht abreißen lassens“ - auch wenn sie lediglich von mir an mich erfolgt - würde mich ungebührlich unter Stress setzen und so habe ich mir vor einigen Wochen das Ziel gesetzt: „Mal sehen, wie oft pro Monat ohne nennenswerten Stress und Verrenkungen für mich geht“. 

Ich werde irgendwann vermutlich berichten 🙂


10 September 2026

Fuggerstadt Augsburg

Mein erster eher kurzer Stadtbesuch mit kulinarisch untermalter Stadtführung  in der Fuggerstadt Augsburg  blieb vor einigen Wochen unbebloggt. Sie gefiel mir gut, diese geschichtsträchtige Stadt, die über viele Jahrhunderte von der sehr geldaffinen und diesbezüglich überaus erfolgreichen Kaufmanns- und Bankierfamilie der Fugger geprägt wurde.


Noch besser gefiel mir fast die Geschichte des „Ausnahmefugger“ Hans Jakob Fugger, der der einzige seiner Familie ist, dem in Augsburg ein Denkmal gesetzt wurde. Er war auch der einzige, der sein Geld für  eine umfangreiche Kunst- und Büchersammlung ausgab und irgendwann bankrott ging … ob die zwei Ehen und die daraus hervorgegangenen 19 Kinder auch etwas mit dem Geldschwund zu tun hatten, blieb offen … doch Hans Jakob war pleite und musste seine Büchersammlung verkaufen.

Gekauft hat sie Herzog Albrecht V. von Bayern, der daraus die Münchener Hofbibliothek und damit den Grundstock für die Bayerische Staatsbibliothek schuf. Der einzige Fugger, der pleite ging  trat in die Dienste des Herzogs  und wurde später dessen Kammerpräsident, was sowas wie der Bayerische Finanzminister war. Staatsfinanz-Logik von damals … und heute?

Nun - Augsburg ist nicht mehr so reich aber immer noch eine sehr schöne Stadt mit einer sehr großen, zum Schlendern, Bewundern, Dazulernen, Genießen und Geld ausgeben einladenden Altstadt. Also fuhr ich - diesmal zusammen mit Volker - ein zweites Mal und wieder mit dem Zug* dorthin. Wir genossen, bewunderten ausgiebig, lernten dazu und gaben auch Geld aus ;-)

Landeten schlendernd z. B. in einer wirklich interessant gestalteten Ausstellung über Martin Luther und lernten viel über die Religionswirrnisse in dieser für die Reformation so bedeutenden Stadt mit einem eigenen bundesweit einmaligen Extra-Feiertag. Sahen Wasser über Wasser fließen in dieser für ihr Wassermanagement als Unesco-Weltkulturerbe geadelten Stadt.

Fanden einige weitere historische, architektonische und kulinarische Leckerbissen. Hatten Glück mit dem Wetter. Angesagt war ein sonnenfreier Wolkentag. Die Sonne hielt sich nicht an die Vorgabe der Apps sondern kam über mehrere Stunden aus ihrem Wolkenversteck, so dass für mich auch ein kleines Bade- und Schwimmründchen an Augsburg Stadtstrand im Lech möglich war während Volker Steinmännchen baute, die Beine ins Wasser und die Seele in der Luft baumeln ließ.


*Der in Augsburg geborene Berthold Brecht sagte über seine Geburtsstadt den Satz: „Das beste an Augsburg ist der Schnellzug nach München“ ;-) 


06 September 2026

In Mittenwald und um Mittenwald herum

Und wieder könnte ich schreiben: liebe Leser - einfach weiterziehen, hier gibt‘s nicht viel zu sehen oder zu lesen. Denn dies ist in erster Linie ein Marker-Wiederfind-Blogbeitrag. 

Vom Geburtstags-Kurzurlaub mit Mobil, Mann und jüngstem Enkel, der uns für einige Ferientage Gesellschaft leistete. Beim Wandern in Leutaschklamm ab Mittenwald und zum Lautersee. Mit morgendlichem Rückfahrt-Kurzhupf in den Walchensee. Der nicht nur unerschrocken sondern geradezu begeistert die kühlen  (von 17°C-22°C) Wasser von Isar, Lauter- und Walchensee genoss und grundsätzlich gerne mehr davon wollte. Also: der Enkel - der Mann eher nicht so 😆  Schön war‘s!

🚐 💦 🌄

28 August 2026

Gehen Sie weiter; es gibt hier nichts zu sehen

 … und nicht viel zu lesen … ich erzähl‘s nur, weil ich das irgendwann so halb-halb versprochen habe, dass ich‘s erzähle, sollte ich die dusselige Idee, nachts am heimatnahen ehemaligen Bahndamm zu übernachten, in die Tat umsetzen. Hab‘ ich also abgehakt.

Vollmond. Oder - wie ich in diesem Zusammenhang gelernt habe: Störmond, wie der Vollmond im August  heißt, wobei „Stör“ nicht von „Stören“ sondern vom Fisch namens „Stör“ herrührt. Ansonsten war nicht viel los, dort. Obwohl … wie man‘s nimmt …

Ordentlich viel Lärm war … Hingegangen gegen 21:30 Uhr, die Hängematte nebst einziehbarer Isomatte und diversem weiteren Übernachtungszubehör zur alten und leider ziemlich schwächelnden Lieblingsbirke mit Querästen, die sich als perfekt zur Aufhängung der Hängematte erwiesen. Super Abstand, passende Reinkletterhöhe.

In der Ferne (hier stark rangezoomt) viele rote Punkte - damit kein Flugzeug reindonnert in die Hypovereinsbank oder die Baustelle der neuen Gebäude, (Luftlinie lt. GoogleMaps gut 4 Kilometer entfernt) die von der mich angestellt habenden Firma dort hochgezogen werden und in die vermutlich erst eingezogen wird, wenn ich lange in Rente bin … Wäre trotzdem schade drum ..

Bunt ist es und so hell durch Vollmond, Lichtemissionen der Stadt und des nur einige hunder Meter entfernt gelegenen Bauernhofs, dass ich die mitgenommene Taschenlampe nicht benötige, um meine Handgriffe erfolgreich zu absolvieren und irgendwann in der Hängematte zu liegen komme. 


Da liege ich nun. Davon ausgegangen, aufgrund ziemlich starker Müdigkeit nach einem langen und auch bewegten Tag mit kleinem Lauf, Radfahrten und Schwimmeinheit in der inzwischen wieder etwas kühleren (um die 18°C) Isar. Falsch gedacht. 

In der ersten Stunde lärmt bis gegen 23 Uhr irgendwas auf dem Bauernhof mörderisch laut und hell. Eine Maschine, die sich nach Riesenmotor mit Sägeeinheit oder sowas anhört. Gerade als ich überlege, doch wieder nach Hause zu gehen, kehrt drüben Ruhe ein. Zumindest relativ. Die auf der Weide stehenden Ochsen schreien oft laut und eindringlich. Sie „wohnten“ dort nicht sondern werden zum Schlachten hingefahren (woher auch immer) und stehen dann jeweils noch einige Tage außen auf der Weide.

Ansonsten: ein Dauerbrummton vom Hof bleibt. Ob‘s die Biogasanlage ist, die auch ab und zu - zum Glück nicht annähernd so heftig wie ich es schon erlebt habe - Geruchsemissionen ablässt, so dass ein Silage-Gas-Gemenge zur mir rüber“duftet“. Ab und zu fahren unten - auch noch mitten in der Nacht - auf dem neben dem Damm verlaufenden Schotterweg Fahrräder entlang. Die Geräusche aller Straßen und Bahnen in bis zu mehreren Kilometern Entfernung sind aus allen Himmelsrichtungen eindringlich zu hören. Was man tagsüber kaum wahrnimmt: nachts klingt es wie ein städtisches Geräusch-Emissionskonzert mit Autos jeder Couleur, knatternden Motorrädern, Flugzeugen, S-Bahnen und Güterzügen als Instrumentenmix.

Oben rechts bei der Nadel der Schlaf- unten links am grünen Punkt der Wohnort

Dazu schlägt ab und zu der Hofhund an. Gegen halb drei in der Nacht kräht verfrüht ein Hahn von einem Aussiedlergebäude auf der anderen Seite. Gelegentlich raschelt es leise im Gebüsch. Was auch immer da rauschelt, ist klein und wird fast übertönt vom „Dauerkonzert“. Ohne Ohropax - das ich zwar besitze aber nicht dabeihabe - ist an Schlaf kaum zu denken. Erst gegen 4 Uhr in der Frühe falle ich in einen leichten und nur oberflächlichen Schlummer.

Es ist gerade 6 Uhr, als mich die Stimmen zweier sich unterhaltender französischsprachiger Männer (früher Spaziergänger?) auf dem Weg jenseits des mit nur wenig Gebüsch umsäumten Baums, an dem meine Hängematte hängt, mich wecken. Ob sie mich mit der olivgrünen Matte mit Mückenschutz entdeckt haben, ist nicht zu erkennen. Das Gebüsch ist in diesem trockenen Jahr dünn genug, dass ich im Prinzip sichtbar wäre. 

Der Tag dämmert schon. Ich luge durch‘s Mückennetz noch ein Weilchen auf die Wiesen und Felder, die von hier aus sichtbar sind. Und sehe außer genau diesen so ziemlich nichts. Bei Spaziergängen bin ich dort schon Füchsen, Feldhasen, Eichhörnchen, Eidechsen, einer Blindschleiche und allen möglichen Vögeln begegnet. An diesem Tag lässt sich niemand von ihnen sehen. Ein paar wenige Vogelstimmen piffeln im Gebüsch vor sich hin. Mehr nicht. Also packe ich zusammen. Bin müde. Schön ist die frische Morgenluft. 

Auf dem Heimweg (Luftlinie 600m - zu Fuß ca. 1 Kilometer) sammele ich noch einige dort wachsende Äpfel ein, frühstücke einen davon und ein paar der inzwischen schon etwas überreifen Mirabellen, die ebenfalls dort wachsen und beende  das „Unternehmen Bahndamm“ mit dem inneren Vermerk: 

„erledigt und abgehakt“ ☑️


18 August 2026

Sechs Etappen auf dem Eifelsteig - und hinter uns verbrannte Erde …

 

Sechs Etappen des Eifelsteigs hatten wir zu zweit gebucht. Wie auch beim Wandern an der Lahn 2024 und 2025 am Hexenstieg die komfortable Variante mit Gepäcktransport.


Einen Vorab-Zusatztag in Aachen gönnte ich mir. Den Dom, in dem im Jahr 800 (eins von ungefähr drei Daten, die ich mir im Geschichtsunterricht merken konnte ;) Karl der Große zum Kaiser des Großdeutschen Reichs gekrönt wurde, den wollte ich mir anschauen. 

An Aachen und Umgebung außerdem interessant: die vielen Thermalquellen! Für einen Besuch der Thermen blieb keine Zeit aber einmal die Füße unter das aus der Tiefe vorgepumpte heiße Wasser der heißesten Heilquelle Mitteleuropas zu halten (es ist wirklich arg heiß - länger als ein paar Sekunden am Stück geht nicht), das musste schon sein. Gilt es doch als heilsam bei Gicht, Arthrose und sonstigen Gelenkleiden. Davon hab‘ ich so ziemlich alles zu bieten, so dass ich mir eine perfekte Wandervorbereitung beim Fußbaden einbilde.


Am folgenden Dienstag geht‘s zu zweit in Kornelimünster auf die erste Etappe des Eifelsteigs. Mit einer Länge von nur gut 14 Kilometern, 327m bergauf, 136m bergab ein gemütliches Einwandern. Theoretisch jedenfalls. Wir verlängern die Strecke einige Male, weil sie auf den ersten beiden Etappen alles andere als gut markiert ist. Entgegen den Beteuerungen der Veranstalter. Viele Abzweige sind gar nicht ausgeschildert oder sonstwie markiert. Wir haben zwar Tracks dabei - aber wenn auf einer klaren Geradeausstrecke kein Schild oder Hinweis auftaucht … läuft frau eben auch geradeaus weiter … 

Irgendwann haben wir es kapiert und den jeweiligen Track wirklich griffbereit und immer im Auge. Schmälert ein wenig das Genusswandern, vermindert aber auch weitere Abirrungen. Ab Tag drei sind die Markierungen dann wirklich vorbildlich und das Handy kann fast immer im Gepäck bleiben.

Nach der ersten Etappe steht noch eine Busfahrt zum Hotel nach Monschau an (am Folgetag dann per Bus wieder zurück zum Anfang von Etappe 2 - in diesem Hotel logieren wir gleich zwei sehr komfortable Nächte). Wir schaffen es aufgrund verlegter Haltestellen an Baustellen, einen Bus zu verpassen und dann später den falschen Bus zu nehmen. Merken es viel zu spät. Busverbindungen in der Eifel sind rar und so hätten wir per Busrückfahrt den Tag locker um gleich drei Stunden verlängert. Es bleibt mit schnellem Daumen und zwei freundlichen Mitnehmerinnen bei „nur“ 1,5h obendrauf. Mentaltest gleich auf Etappe Eins.


Etappe Zwei führt nach einer gut halbstündigen Busfahrt am kommenden Tag nach Belgien ins „Hohe Venn“. Die Hitze hat Fahrt aufgenommen. Lange, gerade und vor allem hauptsächlich stinklangweilige Wege in praller Sonne zermürben auch schon bei 17 Tageskilometern ordentlich. Gelegentlich aber doch auch hübsche Sichten.


Was wir nicht wissen: schon zwei Tage später wird diese Etappe gesperrt weil ein großer Waldbrand riesige Flächen des Torfbodens in Brand setzt.


In Monschau wurde uns unerwarteterweise eine private und sehr amüsante Stadt- und krummes-Schieferhaus-Führung zuteil. Von einem der wenigen wirklichen Einwohner dieser von Touristen gefluteten Weltkulturerbe-Gesamtdenkmal-Puppenstubenstadt durchgeführt.

In Monschau war es auch, wo mich in jeder Nacht jeweils ein Mückenstich ereilte. Ich hatte den Verdacht, dass es sich zweimal um dieselbe Mücke handelte. Diese Mücke ist deshalb so bedeutsam, weil sie die einzige blieb, die ich in den sieben Tagen wenn auch nicht zu Gesicht, so doch immerhin zu spüren bekam. Möge mein Blut zur Erhaltung der Art dienen. Ich wünschte es dem piekenden Plagegeist inständig.


Denn: auch das  reichlich „spooky“: wir wanderten durch pralle Natur, einen Naturpark mit vielen Bächen, ein Hochmoor, entlang mehrerer Flüsse und Talsperren. Aber nicht EINE Mücke, Bremse, Pferdefliege oder sonstiges Stechzeugs belästigte uns. Mitten im Sommer in Feld, Wald und Wiesen. Neben Weiden mit Kühen, Pferden, Schafen. NICHT EINE MÜCKE! Das ist … mindestens seltsam. Einige Vögel und sogar eine winzige Schar Schwalben allerdings konnte ich beobachten. (Einschub: auch in München herrscht ein nahezu mückenfreier Sommer. Und ich habe hier am Stadtrand auch noch KEINE EINZIGE Schwalbe gesehen in diesem Jahr. Keine Einzige).


Die von vielen anderen erwartete aber von uns ignorierte Sonnenfinsternis rang mir kein Foto ab. Die vom Waldbrandqualm an einem Folgeabend davon orange gefärbte Dunstsonne dagegen schon.


Aus dem Internet erfuhren wir, dass inzwischen auch um das vor kurzem hinter uns gelassene Städtchen Monschau herum Brände wüteten. Wir befanden uns in Luftlinie ca. zwanzig Kilometer von den Bränden entfernt. Weit genug. Aber auch das fühlte sich bizarr an.


Der Wind wehte  an zwei Tagen die Qualmwolken in unsere Richtung, so dass es sich anfühlte, als wanderten wir an einem Dauerlagerfeuer entlang. Der Hals begann zu kratzen und ab und zu rieselten federleichte winzig-Ascheteilchen auf uns herab.


Am Ende der Etappe5 zum atmosphärisch sehr schönen Kloster Steinfeld, in dessen Gästehaus wir die Nacht verbrachten, war der Himmel wieder halbwegs klar. 


Die WetterApps versprachen unterwegs immer wieder Abkühlung auf den nächsten Etappen. Der Wettergott lachte ihnen Hohn und verschob die niedrigeren Temperaturen immer weiter nach hinten, so dass wir den Eifelsteig in heißer und staubiger Erinnerung behalten werden. Knapp 120 Kilometer haben die von uns erwanderten sechs Etappen offiziell. Ca. 3000 Höhenmeter bergauf, etwa 2800 Höhenmeter abwärts. An den kleinen Zusatzschlenkern durch Abirrungen, Zusatzwegen zum jeweiligen Quartier und den abendlichen Essens- oder Besichtigungsgängen lag es nicht in der Hauptsache, dass diese Kilometer sich sehr viel anstrengender anfühlten, als sie sich lesen. 


Es war die Hitze … Im August eine Weitwanderung zu buchen ist also zumindest … riskant … und fraglich, ob so weiterzuverfolgen.


In Blankenheim war für diesmal Schluss und zurück ging‘s wieder per Zug nach Hause. Im Prinzip möchte ich den Eifelsteig als sehr abwechslungsreichen und stimmungsvollen WeitWanderweg wirklich gerne bis Trier zu Ende wandern. Aber wie und wann konkret … das bleibt erstmal offen.

🥾 🎒