29 April 2026

Waldwanderungen mit Musik

Finsterer, dichter Wald wächst um Finsterau herum, einer kleinen Ortschaft im strengen Naturparkteil des Bayrischen Waldes, nur wenige Kilometer von der Grenze nach Tschechien entfernt, wo dieser finstere Wald Böhmerwald genannt wird und dort ebenfalls streng geschützter Natur- und Nationalpark(Šumavaist. 

Geprägt wird die auf einer Hochebene von mehr als 1000 Metern liegende Landschaft, in der auch Wölfe, Luchse und Wildkatzen heimisch sind,  nicht nur von dichten Wäldern sondern auch von Hochmooren (altbayrisch: „Filze“) und vielen Wasseradern. 

Die Gegend gilt als eine der kältesten Deutschlands und insbesondere Bayerns. Bayrisch Sibirien genannt, fand in vor-Klimawandel-Zeiten hier um diese Jahreszeit noch Langlauf statt. In diesem Jahr herrschten schon im April bei nachts noch auf Gefrierpunkt absinkenden Temperaturen tagsüber sehr warme geradezu perfektsonnige Strahlewetterverhältnisse für Wanderbegeisterte. Nur hier und dort einige Restschneefelder. Noch ist Nebensaison, die Wanderbusse fahren noch nicht und nur wenige andere Wanderer fanden sich sogar am Wochenende auf den dortigen Wegen ein. Oft stundenlange Einsamkeit und Menschenruhe.


Den Bayrischen Wald liebe ich schon lange wegen seiner Weite, dem dortigen Abwechslungsreichtum an Landschaften, der mystischen Ausstrahlung … einfach eben sowieso. 

Doch es gab noch einen speziellen Grund, der  mich genau hierhin gelockt hat. Beim Stöbern nach Stell- und Campingplätzen fiel mir schon beim Namen „Anderswo-Camp“ sofort die Comicfigur aus dem Janosch-Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“ ein: der Reiseesel Mallorca, der - erstaunlicherweise nur selten erwähnt - immer eine meiner Lieblingsfiguren aus den Bücher war. Der Reiseesel Mallorca war nämlich immer am liebesten „anderswo“ weil der dort das Glück vermutete. Anderswo auch ankommen zu können … was für eine schöne Idee 😄


Doch bevor ich bei diesem wunderschönen, naturnahen aber angebundenen,  gut ausgestatteten (den Flipper-Automaten im Aufenthaltsraum habe ich leider nicht ausprobiert. Dabei liebe ich Flippern!) um diese Jahrezeit zumindest noch sehr ruhigen und nur spärlich besuchten Campingplatz mit großzügig bemessenen Stellplätzen ankam, gab es für mich einen kleinen Urlaubs-Prolog, den ich nicht unterschlagen möchte.

Dem schon fast traditonellen Part - den Besuch einer Thermenlandschaft - habe ich einen Beitrag im Unterblog gewidmet, den Besuch einer Kabarett-Veranstaltung in der Stadthalle Deggendorf erwähne ich am besten nur am Rande aufgrund seines für mich sehr enttäuschenden Verlaufs. Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhardt, eine in meinen Augen mehrschneidig provozierende Künstlerin,  wollte ich mir live anschauen. Auch, um zu sehen, ob die intensive Ausstrahlung, die sie in Online-Clips meiner Meinung nach hat, auch live rüberkommt. Kurz: in der flach bestuhlten, ausstrahlungsschwachen Halle Deggendorfs an diesem Abend zumindest so mal gar nicht!  Auswendiges Runtergeleiere schon bekannter Gags, Nullkomma null Kontaktaufnahme zum Publikum, keine spürbare Bühnenpräsenz,  dazu ständiges Geklimpere und Gelärme umfallender Glasbierflaschen, die mindestens ein Drittel des Publikums mit in den Saal genommen und neben die eng stehenden Stühle gestellt hatten. Brauch‘ ich so wirklich nicht mehr. Weder die Kabarettistin noch die Stadthalle in Deggendorf. Okay - ist doch etwas länger geworden - aber nun weiter.

Weiter bin ich aus Deggendorf auch schon am selben Abend gefahren. Die Badelandschaft zu weit entfernt, um dort auf den schönen Parkplätzen die Nacht zu verbringen. Zumindest bei Fußnutzung.  Dem Birdy-Rad, das sich zwar im Gepäck befand, war die Kette nicht nur abgesprungen sondern auch hart verkeilt (ist mir jetzt schon zum zweiten Mal passiert). Ohne ölige Finger nicht in der notwendigen Zeit zu reparieren. Also umgeplant und mit dem Mobil in die Stadt gefahren. Wollte dort auf dem mir schon bekannten großen Volksfestplatz mit reichhaltigen Parkmöglichkeiten parken. 

Dummerweise war dort - Überraschung!  😳 - gerade Volksfest. Menschenmassen strömten in Dirndln und Lederhosen zum Feiern, alle rundum noch verfügbaren Parkplätze weben Überfüllung geschlossen. Uff 😩 … so dass dann zum Glück noch zeitlich passend - ein extrem uninspirierender Platz neben Gewerbehallen am anderen Ende Deggendorfs herhalten musste. Sogar hier parkte noch Volksfest-Besuchspublikum. Neben den Besuchern der ausverkauften Stadthallen-Veranstaltung. Außerdem kostenpflichtig - fiel eine Übernachtung für mich darauf aus.

So dass  - langer Rede schöne Folge - ich noch in der Nacht weiterfuhr zu einem Wanderparkplatz auf halber Strecke zum ab dem Folgetag gebuchten Campingplatz. Einem Wanderparkplatz in der Nähe des 1011m hohen „Berges“ „Brotjacklriegel“, dem ich schon seit Jahren einen Besuch abstatten wollte. Schon alleine, um den dort zu sehenden „Du-Stein“ bei Höhenmeter 1000 zu besuchen (erledigt - aber vergessen, den Stein zu fotografieren). Denn traditionell gilt (wird aber heute nicht mehr überall eingehalten): ab einer Höhe von 1000 Metern wird sich geduzt. Ob fremd oder nicht. Wobei im Bayerischen Wald zumindest die Älteren generell duzen. Was mir gefällt.

Nach langem und gutem Schlaf auf ruhigem Wanderparkplatz mache ich mich auf eine sieben Kilometer kurze Runde, die ich zum Teil wandere, zum Teil gemütlich jogge. Eine herrliche Einstimmung.


Zwei kleine Begegnungen -  eine erheiternd, die zweite fast schon intensiv - unterstreichen den perfekten Start in den Urlaubstag. 


Oben steht neben einem mit Stacheldraht umsäumten Funk- auch ein Aussichtsturm. Das Café darin ist geöffnet; die Aussichtsplattform leider nicht. So dass ich nach nur einer Plauderrunde mit der Cafébetreiberin aussichtslos weiterjogge.

Und endlich geht‘s weiter nach „Anderswo“. Dort angekommen richte ich mich auf dem weitläufigen Platz ein, packe Yogamatte und Zubehör aus, genieße die Weite und das Tirilieren der Waldvögel und begebe mich auf eine erste Wander- und Joggingrunde in den Naturpark zur Reschbachklause.


Schwimmen und Baden darin ist verboten. Ausdrücklich verboten erscheint mir nicht, einmal kurz einzutunken ins hier mit 10°C schon fast warme Moorwasser (angesichts der rundum noch sichtbaren Schneereste fand ich das doch erstaunlich warm). Trotz Samstag-Nachmittag herrscht Menschenleere. Bei Anfunft war noch ein Biker dort, ist aber inzwischen gefahren. Niemand zu hören, niemand zu sehen … ich verfolge einen kleinen Pfad ans Seitenufer, reiße mir an dessen Ende mit etwas Sichtschutz wie zwanghaft meine Klamotten vom Leib und lege mich ins unglaublich weiche und angenehme Moorwasser. Nicht lange. Aber unglaublich erfrischend! (als Kosmetik-, chemische Körperpflegeprodukt- und insbesondere Sonnenschutzmittel-Verächterin bringe ich auch lediglich naturnahen Körperschweiß ins Naturwasser ein und keinerlei nichtnatürliche Zusatzstoffe  ;)


Am Folgesonntag waren die Wanderwege ein wenig belebter. Auf meiner ca. 20 Kilometer-Runde zur von einem tschechischen Ranger mit Ratsch-Bekanntschaft bewachten und von einer weiteren Handvoll Menschen per Wanderung oder Biketour besuchten Moldauquelle begegneten mir ungefähr im Halbstundentakt weitere Wanderer. Also immer noch eher ruhig.


Besucher dürfen - absolut verständlicherweise - nur vom Steg aus das Quellengeblubber der Moldau betrachten und keinesfalls ans Wasser oder dem im Naturpark verschwindenden Bach-Rinnsal folgen  - die Moldau von Smetana begleitete mich an diesem Tag als immer wieder aufflackernder Ohrwurm.


Auf dem Rück-Rundweg passiere ich auf tschechischer Seite eine Grenz-Gedenkstätte mit noch erhaltenem (wenn auch nicht mehr unter Strom stehendem 🙊) Zaunteil und auch am Folgetag führt mich eine weitere Wanderung über den Siebensteinkopf zu einem „Tor der Freiheit“. Heute auch ein Zeichen und Zentralpunkt des gemeinsam betriebenen deutsch-tschechischen Wanderwegenetzes.


Wunderschöne Wege! Immer wieder inspirierend.

Sehr erholsam waren sie, die Wanderungen und auch die vier Übernachtungen im Mobil im Bayerischen Wald! Doch dann ging‘s wieder zurück nach München. Der Rückweg so gestaltet, dass es auch noch einen Reise-Epilog gab. Mit Einkauf auf dem Dingolfinger Wochenmarkt - wo ich insbesondere  Biokäse der Käserei Johannesbrunn erstand. Außerdem (obwohl‘s mit der reichen Ernte nie wirklich gelingt in meinem Gärtchen) zwei kleinwüchsige Tomatenpflanzen und andere „Kleinigkeiten“. Ein Eis, ein Spaziergang noch an der dort sehr naturbelassenen Isar und weiter zur nächsten Einkaufsstation, dem nahe Erding gelegenen Biohof-Lex, wo diverse Hülsenfrüchte aber auch Nackthafer, Bayerischer Chia, Mohn etc. angebaut werden. Nicht, dass wir in München womöglich verhungern müssen 😉 Eingeräumt ist schon.

 

Was folgt nach einem Epilog? Die Danksagung natürlich. Ich danke also dem Schicksal und allen gütigen Mächten, diese vielen schönen Dinge erleben und genießen zu dürfen und allen, die mit dafür sorgen, mir das alles auch leisten zu können.

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