28 August 2026

Gehen Sie weiter; es gibt hier nichts zu sehen

 … und nicht viel zu lesen … ich erzähl‘s nur, weil ich das irgendwann so halb-halb versprochen habe, dass ich‘s erzähle, sollte ich die dusselige Idee, nachts am heimatnahen ehemaligen Bahndamm zu übernachten, in die Tat umsetzen. Hab‘ ich also abgehakt.

Vollmond. Oder - wie ich in diesem Zusammenhang gelernt habe: Störmond, wie der Vollmond im August  heißt, wobei „Stör“ nicht von „Stören“ sondern vom Fisch namens „Stör“ herrührt. Ansonsten war nicht viel los, dort. Obwohl … wie man‘s nimmt …

Ordentlich viel Lärm war … Hingegangen gegen 21:30 Uhr, die Hängematte nebst einziehbarer Isomatte und diversem weiteren Übernachtungszubehör zur alten und leider ziemlich schwächelnden Lieblingsbirke mit Querästen, die sich als perfekt zur Aufhängung der Hängematte erwiesen. Super Abstand, passende Reinkletterhöhe.

In der Ferne (hier stark rangezoomt) viele rote Punkte - damit kein Flugzeug reindonnert in die Hypovereinsbank oder die Baustelle der neuen Gebäude, (Luftlinie lt. GoogleMaps gut 4 Kilometer entfernt) die von der mich angestellt habenden Firma dort hochgezogen werden und in die vermutlich erst eingezogen wird, wenn ich lange in Rente bin … Wäre trotzdem schade drum ..

Bunt ist es und so hell durch Vollmond, Lichtemissionen der Stadt und des nur einige hunder Meter entfernt gelegenen Bauernhofs, dass ich die mitgenommene Taschenlampe nicht benötige, um meine Handgriffe erfolgreich zu absolvieren und irgendwann in der Hängematte zu liegen komme. 


Da liege ich nun. Davon ausgegangen, aufgrund ziemlich starker Müdigkeit nach einem langen und auch bewegten Tag mit kleinem Lauf, Radfahrten und Schwimmeinheit in der inzwischen wieder etwas kühleren (um die 18°C) Isar. Falsch gedacht. 

In der ersten Stunde lärmt bis gegen 23 Uhr irgendwas auf dem Bauernhof mörderisch laut und hell. Eine Maschine, die sich nach Riesenmotor mit Sägeeinheit oder sowas anhört. Gerade als ich überlege, doch wieder nach Hause zu gehen, kehrt drüben Ruhe ein. Zumindest relativ. Die auf der Weide stehenden Ochsen schreien oft laut und eindringlich. Sie „wohnten“ dort nicht sondern werden zum Schlachten hingefahren (woher auch immer) und stehen dann jeweils noch einige Tage außen auf der Weide.

Ansonsten: ein Dauerbrummton vom Hof bleibt. Ob‘s die Biogasanlage ist, die auch ab und zu - zum Glück nicht annähernd so heftig wie ich es schon erlebt habe - Geruchsemissionen ablässt, so dass ein Silage-Gas-Gemenge zur mir rüber“duftet“. Ab und zu fahren unten - auch noch mitten in der Nacht - auf dem neben dem Damm verlaufenden Schotterweg Fahrräder entlang. Die Geräusche aller Straßen und Bahnen in bis zu mehreren Kilometern Entfernung sind aus allen Himmelsrichtungen eindringlich zu hören. Was man tagsüber kaum wahrnimmt: nachts klingt es wie ein städtisches Geräusch-Emissionskonzert mit Autos jeder Couleur, knatternden Motorrädern, Flugzeugen, S-Bahnen und Güterzügen als Instrumentenmix.

Oben rechts bei der Nadel der Schlaf- unten links am grünen Punkt der Wohnort

Dazu schlägt ab und zu der Hofhund an. Gegen halb drei in der Nacht kräht verfrüht ein Hahn von einem Aussiedlergebäude auf der anderen Seite. Gelegentlich raschelt es leise im Gebüsch. Was auch immer da rauschelt, ist klein und wird fast übertönt vom „Dauerkonzert“. Ohne Ohropax - das ich zwar besitze aber nicht dabeihabe - ist an Schlaf kaum zu denken. Erst gegen 4 Uhr in der Frühe falle ich in einen leichten und nur oberflächlichen Schlummer.

Es ist gerade 6 Uhr, als mich die Stimmen zweier sich unterhaltender französischsprachiger Männer (früher Spaziergänger?) auf dem Weg jenseits des mit nur wenig Gebüsch umsäumten Baums, an dem meine Hängematte hängt, mich wecken. Ob sie mich mit der olivgrünen Matte mit Mückenschutz entdeckt haben, ist nicht zu erkennen. Das Gebüsch ist in diesem trockenen Jahr dünn genug, dass ich im Prinzip sichtbar wäre. 

Der Tag dämmert schon. Ich luge durch‘s Mückennetz noch ein Weilchen auf die Wiesen und Felder, die von hier aus sichtbar sind. Und sehe außer genau diesen so ziemlich nichts. Bei Spaziergängen bin ich dort schon Füchsen, Feldhasen, Eichhörnchen, Eidechsen, einer Blindschleiche und allen möglichen Vögeln begegnet. An diesem Tag lässt sich niemand von ihnen sehen. Ein paar wenige Vogelstimmen piffeln im Gebüsch vor sich hin. Mehr nicht. Also packe ich zusammen. Bin müde. Schön ist die frische Morgenluft. 

Auf dem Heimweg (Luftlinie 600m - zu Fuß ca. 1 Kilometer) sammele ich noch einige dort wachsende Äpfel ein, frühstücke einen davon und ein paar der inzwischen schon etwas überreifen Mirabellen, die ebenfalls dort wachsen und beende  das „Unternehmen Bahndamm“ mit dem inneren Vermerk: 

„erledigt und abgehakt“ ☑️


18 August 2026

Sechs Etappen auf dem Eifelsteig - und hinter uns verbrannte Erde …

 

Sechs Etappen des Eifelsteigs hatten wir zu zweit gebucht. Wie auch beim Wandern an der Lahn 2024 und 2025 am Hexenstieg die komfortable Variante mit Gepäcktransport.


Einen Vorab-Zusatztag in Aachen gönnte ich mir. Den Dom, in dem im Jahr 800 (eins von ungefähr drei Daten, die ich mir im Geschichtsunterricht merken konnte ;) Karl der Große zum Kaiser des Großdeutschen Reichs gekrönt wurde, den wollte ich mir anschauen. 

An Aachen und Umgebung außerdem interessant: die vielen Thermalquellen! Für einen Besuch der Thermen blieb keine Zeit aber einmal die Füße unter das aus der Tiefe vorgepumpte heiße Wasser der heißesten Heilquelle Mitteleuropas zu halten (es ist wirklich arg heiß - länger als ein paar Sekunden am Stück geht nicht), das musste schon sein. Gilt es doch als heilsam bei Gicht, Arthrose und sonstigen Gelenkleiden. Davon hab‘ ich so ziemlich alles zu bieten, so dass ich mir eine perfekte Wandervorbereitung beim Fußbaden einbilde.


Am folgenden Dienstag geht‘s zu zweit in Kornelimünster auf die erste Etappe des Eifelsteigs. Mit einer Länge von nur gut 14 Kilometern, 327m bergauf, 136m bergab ein gemütliches Einwandern. Theoretisch jedenfalls. Wir verlängern die Strecke einige Male, weil sie auf den ersten beiden Etappen alles andere als gut markiert ist. Entgegen den Beteuerungen der Veranstalter. Viele Abzweige sind gar nicht ausgeschildert oder sonstwie markiert. Wir haben zwar Tracks dabei - aber wenn auf einer klaren Geradeausstrecke kein Schild oder Hinweis auftaucht … läuft frau eben auch geradeaus weiter … 

Irgendwann haben wir es kapiert und den jeweiligen Track wirklich griffbereit und immer im Auge. Schmälert ein wenig das Genusswandern, vermindert aber auch weitere Abirrungen. Ab Tag drei sind die Markierungen dann wirklich vorbildlich und das Handy kann fast immer im Gepäck bleiben.

Nach der ersten Etappe steht noch eine Busfahrt zum Hotel nach Monschau an (am Folgetag dann per Bus wieder zurück zum Anfang von Etappe 2 - in diesem Hotel logieren wir gleich zwei sehr komfortable Nächte). Wir schaffen es aufgrund verlegter Haltestellen an Baustellen, einen Bus zu verpassen und dann später den falschen Bus zu nehmen. Merken es viel zu spät. Busverbindungen in der Eifel sind rar und so hätten wir per Busrückfahrt den Tag locker um gleich drei Stunden verlängert. Es bleibt mit schnellem Daumen und zwei freundlichen Mitnehmerinnen bei „nur“ 1,5h obendrauf. Mentaltest gleich auf Etappe Eins.


Etappe Zwei führt nach einer gut halbstündigen Busfahrt am kommenden Tag nach Belgien ins „Hohe Venn“. Die Hitze hat Fahrt aufgenommen. Lange, gerade und vor allem hauptsächlich stinklangweilige Wege in praller Sonne zermürben auch schon bei 17 Tageskilometern ordentlich. Gelegentlich aber doch auch hübsche Sichten.


Was wir nicht wissen: schon zwei Tage später wird diese Etappe gesperrt weil ein großer Waldbrand riesige Flächen des Torfbodens in Brand setzt.


In Monschau wurde uns unerwarteterweise eine private und sehr amüsante Stadt- und krummes-Schieferhaus-Führung zuteil. Von einem der wenigen wirklichen Einwohner dieser von Touristen gefluteten Weltkulturerbe-Gesamtdenkmal-Puppenstubenstadt durchgeführt.

In Monschau war es auch, wo mich in jeder Nacht jeweils ein Mückenstich ereilte. Ich hatte den Verdacht, dass es sich zweimal um dieselbe Mücke handelte. Diese Mücke ist deshalb so bedeutsam, weil sie die einzige blieb, die ich in den sieben Tagen wenn auch nicht zu Gesicht, so doch immerhin zu spüren bekam. Möge mein Blut zur Erhaltung der Art dienen. Ich wünschte es dem piekenden Plagegeist inständig.


Denn: auch das  reichlich „spooky“: wir wanderten durch pralle Natur, einen Naturpark mit vielen Bächen, ein Hochmoor, entlang mehrerer Flüsse und Talsperren. Aber nicht EINE Mücke, Bremse, Pferdefliege oder sonstiges Stechzeugs belästigte uns. Mitten im Sommer in Feld, Wald und Wiesen. Neben Weiden mit Kühen, Pferden, Schafen. NICHT EINE MÜCKE! Das ist … mindestens seltsam. Einige Vögel und sogar eine winzige Schar Schwalben allerdings konnte ich beobachten. (Einschub: auch in München herrscht ein nahezu mückenfreier Sommer. Und ich habe hier am Stadtrand auch noch KEINE EINZIGE Schwalbe gesehen in diesem Jahr. Keine Einzige).


Die von vielen anderen erwartete aber von uns ignorierte Sonnenfinsternis rang mir kein Foto ab. Die vom Waldbrandqualm an einem Folgeabend davon orange gefärbte Dunstsonne dagegen schon.


Aus dem Internet erfuhren wir, dass inzwischen auch um das vor kurzem hinter uns gelassene Städtchen Monschau herum Brände wüteten. Wir befanden uns in Luftlinie ca. zwanzig Kilometer von den Bränden entfernt. Weit genug. Aber auch das fühlte sich bizarr an.


Der Wind wehte  an zwei Tagen die Qualmwolken in unsere Richtung, so dass es sich anfühlte, als wanderten wir an einem Dauerlagerfeuer entlang. Der Hals begann zu kratzen und ab und zu rieselten federleichte winzig-Ascheteilchen auf uns herab.


Am Ende der Etappe5 zum atmosphärisch sehr schönen Kloster Steinfeld, in dessen Gästehaus wir die Nacht verbrachten, war der Himmel wieder halbwegs klar. 


Die WetterApps versprachen unterwegs immer wieder Abkühlung auf den nächsten Etappen. Der Wettergott lachte ihnen Hohn und verschob die niedrigeren Temperaturen immer weiter nach hinten, so dass wir den Eifelsteig in heißer und staubiger Erinnerung behalten werden. Knapp 120 Kilometer haben die von uns erwanderten sechs Etappen offiziell. Ca. 3000 Höhenmeter bergauf, etwa 2800 Höhenmeter abwärts. An den kleinen Zusatzschlenkern durch Abirrungen, Zusatzwegen zum jeweiligen Quartier und den abendlichen Essens- oder Besichtigungsgängen lag es nicht in der Hauptsache, dass diese Kilometer sich sehr viel anstrengender anfühlten, als sie sich lesen. 


Es war die Hitze … Im August eine Weitwanderung zu buchen ist also zumindest … riskant … und fraglich, ob so weiterzuverfolgen.


In Blankenheim war für diesmal Schluss und zurück ging‘s wieder per Zug nach Hause. Im Prinzip möchte ich den Eifelsteig als sehr abwechslungsreichen und stimmungsvollen WeitWanderweg wirklich gerne bis Trier zu Ende wandern. Aber wie und wann konkret … das bleibt erstmal offen.

🥾 🎒

07 August 2026

drei Wochen war der Kater krank …

 … jetzt maust er wieder 🐭 … „Gott sei Dank“? 🤔

Die lange Vorgeschichte: 

vor einigen Wochen und zwar während der ersten diesjährigen und sehr heftigen Hitzeperiode im Juni  stellte ich an einem Freitag Abend (natürlich!) fest, dass mit unserem Bubi-Kater definitiv etwas nicht stimmte. Er sah nicht nur klapprig aus - was durch Hitze und Alter (fast 16) durchaus zu rechtfertigen gewesen wäre - sondern sendete eindeutige Schmerz- und Leidenssignale aus. Was Katzen bekanntlich erst tun, wenn höchste Not und das meist schon länger herrscht. Da die Katzen sich während der Hitzeperioden fast ausschließlich auf ruhigen Gartenplätzen aufhalten, wenig Nahrungsaufnahme dann normal ist und ihre Aktivitätszeit in die Nacht verschoben wird, konnte ich nur schwer einschätzen, wie lange das Problem schon bestehen mochte.

Er klebte sich mir ans Bein und suchte Hilfe, lief immer wieder zu Fress- und Trinkstätten, wo er unverrichteterdinge abdrehte, hilflos auch mit der Pfote ins Nass patschte aber eindeutig des Trinkens nicht mächtig war. Ein Blick ins Katzenmäulchen - alleine nicht einfach, den zu erhaschen und ich befand mich zu dieser Zeit gerade in einem länger andauernden Strohwitwendasein, so dass niemand unterstützen konnte - ließ darin eine Problematik erahnen aber nicht genau erkennen. 

So träufelte ich dem Kater mit der Pipette die klar ermangelnde Flüssigkeit ein, beobachtete zunächst einen Tag den sich dramatisch verschlechternden Verlauf der Dinge, so dass am Sonntag gleich in der Frühe die Fahrt zum Notdienst der Ismaninger Tierklinik anstand, wo wir als erste Besucherinnen derselben zügig drankamen.

Die Diagnose - getroffen von gleich zwei diensthabenden ÄrztInnen - vernichtend: ein Krebsgeschwür sei es vermutlich, das an der stark veränderten Zunge blutig aufgebrochen sei. Die im Maul befindlichen dunklen Verkrustungen ließen sich nicht ganz exakt analysieren. Man bat mich, für einenWochentag einen Termin dort oder bei einem anderen Tierarzt abzumachen. Am Kinn auch ein weiteres Knötchen zu erkennen, das vermutlich - ich könne das gerne später punktieren und sicher diagnostizieren lassen - ebenfalls eine Wucherung darstellt und auch an den Flanken - das wusste ich allerdings selber schon - fänden sich kleine Knötchen. 

Nun habe ich mir fest vorgenommen, niemals ein altes Tier, das man nicht nach seinem Willen dazu fragen kann, im Alter mit aussichtslosen aber quälenden Behandlungen zu malträtieren und mir war klar: einem fast sechzehnjährigen Kater würde ich keine Krebsbehandlung mehr zumuten. Unabhängig von den horrenden Kosten, die es verursachen würde und Bubi waren erst diesen Januar bei einer Zahnbehandlung, die fast 1.000 € gekostet hatte, fast alle Zähne entfernt worden. Nur die Vorder- und die vier Fangzähne standen noch. 

So bat ich darum, ihn von seinem sichtbar starken Leiden zu erlösen. War bereit zum Abschied. Es wurde mir mit dem Argument verweigert, dass im Prinzip noch Behandlungsoptionen bestünden und dort nur in aussichtslosen Extrem(un)fällen auch im Rahmen der Notfallsprechstunde euthanasiert würde.

Drei Spritzen später fuhr ich also mit dem immer schwächeren Kater, vier weiteren Medikamenten und um 500 € ärmer wieder nach Hause. Die Spritzen und Medikamente mobilisierten den Kater immerhin so weit, dass er ein wenig Flüssigsnacks aufnahm und sich dann schlafen legte. 

Am Montag machte ich einen Termin bei unserem nahe des Hauses praktizierenden und wie ich finde, sehr guten Tierarzt aus. Nahm die schriftliche Diagnose aus der Klinik mit und bat auch hier um Erlösung des Katers. Der Tierarzt sah ihm ins Maul, schaute hier und guckte dort … und konstatierte:

„Das ist eine glasklare Fehldiagnose der Klinik!“ Der Kater hat einen ganz krassen Schnitt in der Zunge. Wie auch immer das vor bestimmt schon einigen Tagen passiert ist, so dass negröses Gewebe, Eiter und Verkrustungen bestehen … es ist ein Schnitt. Eine Verletzung. Und die Knötchen seiner Meinung nach Alterswarzen, wie sie bei Katzen nicht selten vorkommen. Da sich diese Verletzung per OP mit schonender Kurz-Narkose recht gut behandeln lasse, lehne auch er das Einschläfern ab.

Dienstag wurde operiert - zwei Kurznarkosen wegen eintretender Nachblutungen wurden es und ein voller Tag zur Beobachtung in der Praxis. Dann konnte ich einen klapperigen, nach Tierarzt und verkrustetem Blut stinkenden Kater mit extrem verschmiertem  Fell abholen und zu Hause aus der Transportbox hieven. Noch immer zweifelte ich an der Richtigkeit des Tuns. Aber ich konnte auch schlecht selber draufhauen, um dem Tier das Leid zu nehmen. Die mit ihm etwa gleichaltrige Mimi wich ihm - und damit auch mir - nicht von der Seite. Bewachte alles, was er tat und gab sich unruhig aufmerksam. Die drei Jahre jüngere Möppel allerdings hielt sich eher fern und verbrachte diese Zeit weitgehend aushäusig.

Eine Woche lang hatte ich quasi einen Pflegefall im Haus. Träufelte ihm Flüssigkeit ein, experimentierte mit optimierten Nahrungsangeboten, gab Medikamente, wusch notdürftig das Fell - die genähte Zunge verhinderte das eigenständige Putzen, was dem Kater deutlich extremst unangenehm war.  Er setzte immer wieder vergeblich zum Putzen an und misstraute meinen Säuberungsunternehmungen. Lediglich das ausgiebige Bürsten genoss er sehr und forderte es immer wieder ein. Entweder lag er bei mir oder unter der extra für ihn wettergeschützt errichteten Stuhlhöhle auf der Terrasse, in der ich täglich das Kissen wechselte. Denn unser Bubi hat schon seit frühester Kindheit eine ganz große Leidenschaft: frisch gewaschene Wäsche! Alles, was frisch gewaschen aus der Maschine kommt, muss zügig in Sicherheit gebracht werden, sonst liegt der Kater drin.

Wie also hätte ich so herzlos sein können, das Bubi-Katertier von der Bügelwäsche zu werfen, die er - ich hatte mich nur kurz aus dem Raum begeben und er vorher scheinbar im Tiefschlaf im Garten gelegen - in der zweiten Genesungswoche enterte und für Stunden mit Beschlag belegte!? Ging natürlich gar nicht und er durfte die Wäsche so vollfusseln wie er mochte. 

Nun ging die Genesung auch in Blitzgeschwindigkeit voran. Nach einer Woche fing die genähte Zunge - sie war dabei ein wenig kürzer geworden - wieder zu funktionieren an. Er konnte halbwegs problemfrei fressen und begann, sich zunächst unbeholfen eigenständig zu putzen. Nach zwei Wochen begrüßte er fast wieder hergestellt den aus der Wildnis zurückgekehrten Hausherrn. Katzen sind Heilwunder! 

Schien glücklich über seine nochmal gewonnene Lebensspanne. Dem Teufel von der Schippe gesprungen zeigte er ihm und uns spielend, tobend und die beiden Katzendamen des Hauses mit Spielattacken gelegentlich nervend, wie er das Leben wieder genießen kann. Und ich gestehe: trotz der nicht ganz kleinen Rechnungen und obwohl ich weiß, dass ein sechzehnjähriger Kater nicht ewig leben wird … bin ich froh, dass er noch bei uns ist.


Also … im Prinzip jedenfalls …. Denn: froh war ich auch, dass er seit fast einem Jahr keine Mäuse mehr angeschleppt hatte. Weder lebende noch tote. Beides gab es in den Jahren vorher reichlich im Haus …Mit den wackelnden entzündeten Zähnen dann nicht mehr und nach der Zahnsanierung ebenfalls nicht. Ein Nebeneffekt, den ich durchaus als positiv verbucht hatte.

Aber gestern dann: 

in sommerlicher Frische eilte ich gut ausgeschlafen und voller Energie morgens die Treppe in Richtung Küche abwärts, um beim Tritt von der letzten Stufe voller Schmackes auf etwas dickem, weichen zu landen, das unter meinem Fuß ein laut schmatzendes Knacken von sich gab und platzte. Nie vorher habe ich beim Anblick von Mäusen geschrien da ich sie im Normalfall in keiner Weise eklig finde. Es war eine Premiere! Aber voller Schwung so fest auf eine pralle tote  Riesenwühlmaus zu treten, dass sie platzt und sich ihre Gedärme unter dem eigenen nackten Fuß auf den Flurkacheln verteilen … das ist schlicht mega-ekelhaft 🤮  Und genau so passiert. Ab jetzt gilt wieder: Augen auf, wo ich am Morgen hintrete!

🤢


P.S. den Schnitt an der Zunge (sie war etwa zur Hälfte durchschnitten) hat sich Bubi vermutlich selber beigebracht, indem er immer wieder das im Miniteich wachsende rasiermesserscharfe Schilfgras als Verdauungshilfe anknabberte. Wir hatten uns gemeinsam gefragt, wie es zu einem solch massiven Schnitt hatte kommen können und mir waren Blutspuren eingefallen, die schon in vorheriger Zeit nach der Zahn-OP mehrfach an Unterlagen anhafteten und die ich nicht erklären konnte. Bis ich den frisch genesenen Kater dabei beobachtete, wie er - unbelehrbar? - nach dem Schilfgras - an dem ich mir  selber schon mehrfach tiefe Schnittwunden an den Fingern eingehandelt habe - hangelte, um es abzubeißen. Die fehlenden Zähne hatten auch ein verändertes Fressverhalten zur Folge, so dass er nun offenbar nach massiveren Verdauungshilfen suchte. Selbstverständlich ist das Schilf stehenden Fußes aus dem Teich rausgeflogen. Der Kater bekommt weicheres Gras ins Angebot und zudem höhere Ballaststoffanteile ins Futter gemischt sowie täglich die Verdauung förderndes Katzenmalz aus der Tube ….