… und nicht viel zu lesen … ich erzähl‘s nur, weil ich das irgendwann so halb-halb versprochen habe, dass ich‘s erzähle, sollte ich die dusselige Idee, nachts am heimatnahen ehemaligen Bahndamm zu übernachten, in die Tat umsetzen. Hab‘ ich also abgehakt.
Vollmond. Oder - wie ich in diesem Zusammenhang gelernt habe: Störmond, wie der Vollmond im August heißt, wobei „Stör“ nicht von „Stören“ sondern vom Fisch namens „Stör“ herrührt. Ansonsten war nicht viel los, dort. Obwohl … wie man‘s nimmt …
Ordentlich viel Lärm war … Hingegangen gegen 21:30 Uhr, die Hängematte nebst einziehbarer Isomatte und diversem weiteren Übernachtungszubehör zur alten und leider ziemlich schwächelnden Lieblingsbirke mit Querästen, die sich als perfekt zur Aufhängung der Hängematte erwiesen. Super Abstand, passende Reinkletterhöhe.
In der Ferne (hier stark rangezoomt) viele rote Punkte - damit kein Flugzeug reindonnert in die Hypovereinsbank oder die Baustelle der neuen Gebäude, (Luftlinie lt. GoogleMaps gut 4 Kilometer entfernt) die von der mich angestellt habenden Firma dort hochgezogen werden und in die vermutlich erst eingezogen wird, wenn ich lange in Rente bin … Wäre trotzdem schade drum ..
Bunt ist es und so hell durch Vollmond, Lichtemissionen der Stadt und des nur einige hunder Meter entfernt gelegenen Bauernhofs, dass ich die mitgenommene Taschenlampe nicht benötige, um meine Handgriffe erfolgreich zu absolvieren und irgendwann in der Hängematte zu liegen komme.
Da liege ich nun. Davon ausgegangen, aufgrund ziemlich starker Müdigkeit nach einem langen und auch bewegten Tag mit kleinem Lauf, Radfahrten und Schwimmeinheit in der inzwischen wieder etwas kühleren (um die 18°C) Isar. Falsch gedacht.
In der ersten Stunde lärmt bis gegen 23 Uhr irgendwas auf dem Bauernhof mörderisch laut und hell. Eine Maschine, die sich nach Riesenmotor mit Sägeeinheit oder sowas anhört. Gerade als ich überlege, doch wieder nach Hause zu gehen, kehrt drüben Ruhe ein. Zumindest relativ. Die auf der Weide stehenden Ochsen schreien oft laut und eindringlich. Sie „wohnten“ dort nicht sondern werden zum Schlachten hingefahren (woher auch immer) und stehen dann jeweils noch einige Tage außen auf der Weide.
Ansonsten: ein Dauerbrummton vom Hof bleibt. Ob‘s die Biogasanlage ist, die auch ab und zu - zum Glück nicht annähernd so heftig wie ich es schon erlebt habe - Geruchsemissionen ablässt, so dass ein Silage-Gas-Gemenge zur mir rüber“duftet“. Ab und zu fahren unten - auch noch mitten in der Nacht - auf dem neben dem Damm verlaufenden Schotterweg Fahrräder entlang. Die Geräusche aller Straßen und Bahnen in bis zu mehreren Kilometern Entfernung sind aus allen Himmelsrichtungen eindringlich zu hören. Was man tagsüber kaum wahrnimmt: nachts klingt es wie ein städtisches Geräusch-Emissionskonzert mit Autos jeder Couleur, knatternden Motorrädern, Flugzeugen, S-Bahnen und Güterzügen als Instrumentenmix.
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| Oben rechts bei der Nadel der Schlaf- unten links am grünen Punkt der Wohnort |
Dazu schlägt ab und zu der Hofhund an. Gegen halb drei in der Nacht kräht verfrüht ein Hahn von einem Aussiedlergebäude auf der anderen Seite. Gelegentlich raschelt es leise im Gebüsch. Was auch immer da rauschelt, ist klein und wird fast übertönt vom „Dauerkonzert“. Ohne Ohropax - das ich zwar besitze aber nicht dabeihabe - ist an Schlaf kaum zu denken. Erst gegen 4 Uhr in der Frühe falle ich in einen leichten und nur oberflächlichen Schlummer.
Es ist gerade 6 Uhr, als mich die Stimmen zweier sich unterhaltender französischsprachiger Männer (früher Spaziergänger?) auf dem Weg jenseits des mit nur wenig Gebüsch umsäumten Baums, an dem meine Hängematte hängt, mich wecken. Ob sie mich mit der olivgrünen Matte mit Mückenschutz entdeckt haben, ist nicht zu erkennen. Das Gebüsch ist in diesem trockenen Jahr dünn genug, dass ich im Prinzip sichtbar wäre.
Der Tag dämmert schon. Ich luge durch‘s Mückennetz noch ein Weilchen auf die Wiesen und Felder, die von hier aus sichtbar sind. Und sehe außer genau diesen so ziemlich nichts. Bei Spaziergängen bin ich dort schon Füchsen, Feldhasen, Eichhörnchen, Eidechsen, einer Blindschleiche und allen möglichen Vögeln begegnet. An diesem Tag lässt sich niemand von ihnen sehen. Ein paar wenige Vogelstimmen piffeln im Gebüsch vor sich hin. Mehr nicht. Also packe ich zusammen. Bin müde. Schön ist die frische Morgenluft.
Auf dem Heimweg (Luftlinie 600m - zu Fuß ca. 1 Kilometer) sammele ich noch einige dort wachsende Äpfel ein, frühstücke einen davon und ein paar der inzwischen schon etwas überreifen Mirabellen, die ebenfalls dort wachsen und beende das „Unternehmen Bahndamm“ mit dem inneren Vermerk:
„erledigt und abgehakt“ ☑️





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