02 Februar 2026

Pico de la Zarza (807m) - höchster Berg Fuerteventuras

Nach einem relativen Erholungstag mit nur wenigen barfuß am endlosen Strand der Insel entlangspazierten Kilometern möchte ich am letzten vollen Tag meines Fuerteventura-Urlaubs die Wanderung auf den “Pico de la Zarza” angehen, der mit seinen 807 Höhenmetern den höchsten Punkt der Insel darstellt. Sozusagen die Zugspitze Fuerteventuras.

Für drei der vier Straßenkilometer bis zum Einstieg in die Strecke - ungefähr auf Höhe 0m über dem Meeresspiegel :o) - kann ich einen passend erwischten Bus nehmen.  Ich starte wieder relativ spät erst kurz nach 11:00 Uhr mittags.

Der Himmel ist größtenteils bedeckt, doch hier und da kommt auch Sonne durch. An den Bergen hängen auch heute dicke Wolken fest. Deutlich dunklere als bei meiner ersten Wanderung … aber weil ich ja weiß oder zu wissen glaube, dass die Wege hier auf der Insel letztlich recht zahm daherkommen und auch die Temperaturen auf den Kanaren - so meine ich zu wissen - immer mindestens lauwarm bleiben, bin ich genauso ausgerüstet wie bei meiner ersten Tour nach Cofete und marschiere zuversichtlich bergauf. 

Gewinne schnell an Höhe, sehe hinter mir den Leuchtturm von Jandia und Hotelanlagen an der Küste.


Vor mir die komfortablen Wege zum Pico de la Zarza, der gut sieben Kilometer in dichte Wolken gehüllt nicht offenbart, wie hoch es aufwärts gehen mag …


Der Himmel wird dunkler, die Wolken kommen näher statt zu verschwinden, wie ich insgeheim gehofft hatte … Bei der Filmaufnahme hatte ich noch nicht die Hälfte von Höhenmetern und Strecke erreicht.


Eine Weile lang reicht der Blick noch weit bis zur Nordspitze der Insel.

Es kommen mir Wanderer entgegen. Auch diesmal wieder Abbrecher der Tour (es ist eine Hin-Rück-Strecke, keine Rundtour) aber auch einige, die auf dem Gipfel waren. Manche ziehen grußlos vorbei, einige grüßen … dann raten mir zwei Männer dringend davon ab, weiterzugehen weil es oben doch sehr kalt wäre, matschig, glatt und unwegsam. Außerdem sehr starker Wind bei äußerst kaltem Regen. Ich bedanke mich für die Infos und … wandere weiter … Es folgen noch zwei weitere Warnungen. Hinter mir waren noch zweimal zwei Wanderer in meine Richtung unterwegs gewesen … irgendwann sind sie verschwunden: Umkehr und Abbruch - eindeutig!

Auch als es dann wirklich nass, kalt, stürmisch, steinig bei rot-glitschenden matschigen Wegen wird … gehe ich zwar frierend aber innerlich noch locker und leicht triumphierend weiter. Ich nämlich - die Härteste - Heldin eben. Jawohl! Mein Handy muss ich aber schon bald wieder gründlich in die wie immer mitgenommene Hundekacke-Tüte wickeln. Alles andere weicht durch. Und zwar gründlich. Trotz Regenschutz des Rucksacks, der vom Sturm ohnehin immer wieder runtergerissen wird, ist später alles ausnahmslos durchweicht. In einem kurzen Anfall von Hellsicht habe ich auch meinen Geldbeutel mit den Papieren flott auch noch in einen Hundekotbeutel verstaut. 

Es zieht sich … und auch etwas mehr als 807 Höhenmeter sind zu gehen denn es gibt kleine Zwischenabstiege, die dann wieder aufgeholt werden müssen. Weil ich zwar patschnass durch bin, es hier oben auch wirklich kalt und sehr stürmisch ist, absolut nichts zu sehen außer Nässe und Nebel, zweifele ich zwischenzeitlich in der Tat an der Sinnhaftigkeit oder gar “Klugheit” meines Tuns. Oder sagen wir: 

Obwohl ich genau weiß, wie irre es ist, gehe ich weiter. Hole am Gipfel sehr kurz das Handy raus und knippse den schmucklosen Gipfel-Betonpfahl im Nebel. In diesem Moment hört auch der Regen kurz auf, worüber ich mich - bescheiden geworden in meinen Wünschen - sehr freue. Kraxele zum Betonpfeiler, berühre ihn und dann nix wie wieder runter …

Regen und Sturm setzen genauso heftig und noch heftiger schnell wieder ein. Die gerölligen Wege, die rote Lavaerde und die schwarzen Steine, alles wird glitschig wie Schmierseife. Gut, dass ich immerhin einen Trekkingstock dabeihabe, der einige Ausrutscher zum Glück abzufangen hilft. Nix wie zurück jetzt!

Kaum wird nach etwa einem Kilometer der Weg wieder breiter und komfortabler, verfalle ich in Joggingtempo. Dabei friert’s nicht gar so arg. Es mag hier oben vielleicht max. 14°C haben. Im Regen. Nass bis auf die Haut. Mir klappern die Zähne. Niemand begegnet mir mehr. Wer noch nicht oben war, hat hinter mir abgebrochen. Nur die Ziegen weiden weiter an den Hängen. 

Die Wolken samt Regen sind schneller als ich. Die Hoffnung, der Wetterfront wegzulaufen, zerstiebt im Sturm. Nur kurz - fast schon an der Küste - reißt die Wolkendecke nochmal auf, die Sonne zaubert einen prächtigen Regenbogen vor meine Augen. Danke! Das wird mein für heute letztes Foto.

Inzwischen und als ich an der Straße ankomme, ist die Schlechtwetterfront ebenfalls eingetroffen. Ja - aus der Richtung meines Quartierortes kommt mir sogar eine weitere Sturm- und Nässefront entgegen. Die wenigen heute auf der Einkaufsmeile flanierenden Touristen sind in warme Klamotten gehüllt oder tragen Schirme bei sich. Die Händler retten ihre Ware so gut es geht ins Trockene. Leider fährt jetzt gerade stundenlang kein Bus und ich muss auch die vier Kilometer zurück zum Hotel noch zu Fuß marschieren. Etwa 20 Kilometer habe ich heute in den Beinen. Es fühlt sich nach mehr an.

Nebenbei erwähnt: in diesem Jahr bzw. schon seit Dezember sind auf Fuerteventura Wetterverhältnisse, wie laut Einheimischen niemals vorher. Statt der üblichen zwei, drei Regentage je Wintermonat hatte es seit Dezember schon wochenlang fast durchgeregnet. War kälter und ungemütlicher als man es sonst von der Kanareninsel kennt. Dadurch sind auch die sonst fast immer braun-schwarzen Berghänge grün. Bei näherem Hinsehen erkennt man auch filigranere Blüten als die der sonst nur sichtbaren Wolfsmilch. 

Das alles hatte ich im Vorfeld zwar gewusst und mich sogar darüber gefreut, die blühenden Ergebnisse dieses ungewöhnlichen Wetterphänomens genießen zu dürfen. Aber im Grunde war mir das Ende dieser Phase für den Urlaub verheißen worden. Nur: das verheißen die Wetterprognosen wohl schon lange … aber es regnet allen Wetterprognosen zum Trotz weiter. Immer wieder ziehen Kälte und Nässe auf und durch.

Es gibt “Randprobleme” dadurch: die Beläge der Gehwege sind auf Nässe nicht ausgelegt und einige Platten werden so glitschig und rutschig als wären sie mit Blitzeis überzogen. Hier schliddert es sich noch gefährlicher durch die Gegend als oben am Berg. Viele - auch ich - weichen entweder auf den Straßenasphalt oder die Sandstreifen nebenan aus. Was umständlich ist und wodurch es sich noch mehr zieht.

Endlich im Hotel, entledige ich mich in Rekordtempo der durchtränkten Kleidungsstücke, wringe sie kurz aus und will sie zum Trocken auf meine eigentlich komplett überdachte - normalerweise Sonnen- - terrasse hängen … auf die der Sturm den Regen pustet, so dass auch die Terrasse von Wasser überflutet ist. Das kleine Hotel (im Grunde ist es eher eine sehr schöne Pension)  “La Colina” liegt, der Name lässt es vermuten - auf einem jetzt sturmumpeitschten Hügel.

Auch mit heißem Tee und in trockene Kleidung gewickelt hat es eine Weile gedauert, bis wieder Gefühl in die vor Kälte steifen Finger kam und ich hier tippen kann. Ob die nassen Sachen: Kleidung, Rucksack und Equipment - bis morgen zur Abfahrt zum Flughafen getrocknet sein werden? 🤷🏻‍♀️ Naja - was soll’s … wird das Gepäck eben einen Ticken schwerer sein als auf dem Hinflug.

Positiv betrachtet: immerhin bin ich nun gut akklimatisiert für den Bayerischen Winter, den morgen wiederzubekommen mich regelrecht freut ☃️


🌬️ ☔️ 🌀


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