04 September 2018

Fast völlig losgelöst

Unterwegs im Bayerischen Wald - schon wiiiieeeeder ...


und etwa schon wieder auf dem Goldsteig? Nojoa - so ein bisschen Goldsteig war auch dabei. Aber eher ein bisschen zufällig. Diesmal alleine und diesmal joggend bzw. waggend (wandern-joggen) wagte ich es am ersten Tag, mich von festen Wanderwegvorgaben zu lösen und mir eine eigene Runde zusammenzustellen. Dabei auf Jakobsweg, Europäischem Fernwanderweg, Goldsteig und diversen lokalen ausgewiesenen Wanderwegen wechselweise trabend.


Steigung, Wiesen, Waldwege ..


blumige Anwesen am Wegesrand


 Reichlich Auswahl

 
 Wobei "Goldsteig" nicht nur den Weg sondern auch Milchprodukte der Gegend bezeichnet



Halbzeit und Tagesziel: das Kreuzhaus. Allerdings geschlossen. Macht nix. Mit Proviant im Rucksack genieße ich die Sitzgelegenheiten trotzdem und stärke mich für den Rück-Rundweg.


Ein konjunktivistischer Lauf: hätte die Sonne geschienen, wäre eine gigantische Aussicht gewesen


Wären die Wegweise nicht abmontiert worden, hätte ich mich nicht verlaufen. Kein Problem eigentlich mit Handy und Offlinekarten auf selbigem. Dumm nur, wenn diverse Apps (Fitnesstracker und Outdorractive-Touren-Track) den Akku schon zur Halbzeit nahezu leergesaugt haben und ich - bekennende Orientierungsniete - ohne alle Hinweise wenig bis NullkommaNull Chancen habe, den ca. 10km langen Rückweg zu treffen.


Aber gerade nochmal gutgegangen. Apps ausgeschaltet und nur im Not- bzw. Orientierungsfall die Karte angeguckt und schon klappt das mit dem Rückweg. Wo leckeres Essen und leckerer Wein in Gesellschaft die Speicher wieder randvoll füllten.


 Nach wunderbarem engelsgleichem Schlaf im Wohnmobil bei prasselnder Regen-Schlafmusik ging's am nächsten Morgen (Sonntag) nach Frühstück im auf 14°C  ausgekühlten Mobil (jaaa Alex, ich werde irgendwann die Bedienungsanleitung für die Gasheizung lesen und zwar BEVOR tiefer Frost herrscht ... ;) mit frisch geladenen Akkus auf allen Ebenen auf's wieder regenfreie Morgenründchen. Jetzt völlig losgelöst von Wegevorgaben und Wegweiserkorsetts. Markierungspunkt auf Wohnmobilstandort gesetzt und einfach mal losgehoppelt.


Und die bereits vorhanden gewesene Ahnung bestätigt gefunden, dass auch Wege OHNE irgendwelche Nummern und Icons nicht minder schön sein müssen sondern oft im Gegenteil zu bezaubernden Plätzen, einsamen - fast schon verwunschenen - Orten führen, die nicht von Massen durchtrampelt werden.


 Viele lebenswerte Orte gibt's schon auf der Welt


und Schlösser im Nichts. Kirchgänger auf dem Weg zum Sonntagsgottesdienst, an dem teilzunehmen sie mich einladen. Sorry, aber ich bin eher unpassend gekleidet und möchte nicht komplett auskühlen.
Sonst gerne ;)


Kehre dem Schloss den Rücken 


wähle bewusst den einzigen Weg, der KEINE Nummer und keinen Namen hat ...


... aber den Nachteil: ein Wachhund, der Wanderer und Läufer ungewohnt, verteidigt knurrend und fletschend sein Revier. Dabei meinen nackten Läuferinnenbeinen zeitweise bedrohlich nahe kommend. Aber ich muss durch - an ihm vorbei. Oder umkehren - was auch blöd ist. Überzeugt ist er nicht, der schwarze Kläffspitz aber weil ich ihm nie den Rücken zukehre sondern langsam und freundlich vor mich hinmurmelnd rückwärts über seinen Hof schleiche, verschonen seine spitzen Fletschzähne meine Waden und ich darf weiter meines Weges joggen.


Es dauert nie lange und schon tauchen wieder Nummern und Wegesnamen auf. Wenn ich auch keine Ahnung habe, zu welchen Rundwegen sie gehören und wohin sie führen: ein gewisses Maß an Beruhigung bringen sie mit sich -> hier ist Zivilisation, hier kann mir nicht ernsthaft was zustoßen ;)


Einige Wege allerdings ein wenig zugewuchert


Weiche, federnde Waldwege sind für mich ein besonderer Genuss - ich genieße!


Die Aus- und Weitsichten natürlich ebenfalls. Es gibt sie reichlich!


Obwohl die Sonne dem Sonntag keine Ehre machte und nicht aus dem Nebel vorschaute .


Überall auch wieder überreichlicher Obstsegen. So überreichlich, dass mehrfach Bio-Abladeplätze für Fallobst im Wald und an Wegesrändern auftauchten. Aber nicht alles landet auf Müllhalden. Schon unterwegs wurden meine leeren Energiespeicher mit Äpfeln und Birnen vom Wegesrand aufgeladen und die geschenkte 10kg(+) Zwetschgen sind inzwischen zu Kuchen, Zwetschgenmus, Zwetschgenknödeln und Tiefkühlobst verarbeitet. Eine Ladung Trockenobst trocknet noch im Backofen vor sich hin.

Mein relativ neu erstandener Fitnesstracker (JA, inzwischen bin ich mürbe geworden und Besitzerin eines solchen Selbststalking-Dingens) meinte: Schweinsbraten ist okay und im Rahmen!
Hab' ich mal so geglaubt und mich damit bewirten lassen :o)

Fazit: der Bayerische Wald rockt! Goldsteig ist super - muss aber letztlich gar nicht sein ;-)


19 August 2018

Gäuboden, Teufelsmühle, Predigtstuhl und andere Gipfel am Goldsteig mit viel Genuss im Bayernland

Die Kreisstadt in Niederbayern stand schon lange auf der Liste: Straubing an der Donau


Deshalb führte der erste Weg am Freitag dorthin. Altstadt angucken, schlendern, Eis essen.


 Giebelhäuser bewundern sowieso


Schon im Vorfeld hatte ich - zunächst zu meinem Entsetzen - gelesen, dass momentan das zweitgrößte bayerische Volksfest, das Gäubodenfest, stattfindet. Volksfestbesuche stehen eher nicht auf meiner Wunschliste  ... ich bin da aus der Vergangenheit ein bisschen traumatisiert ... aber das ist eine andere Geschichte ;) ... Wir parkten das Wohnmobil trotzdem - weil praktisch - auf einem der riesigen Volksfest-Parkareale und schlenderten sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg quer und durchaus mit Genuss über den Volksfestplatz. Das Trauma ist abgeklungen :o)



Straubing ist bunt

durchaus sehenswert und voller Genüsse für Augen und Mägen.


Dennoch ging die Reise schon nach einigen Stunden weiter in einen noch kleineren Ortsteil einer kleinen Ortschaft im Bayerischen Wald: nach Rattenberg im Landkreis Straubing-Bogen, wo wir bereits erwartet wurden und unser fahrendes zu Hause auf einem herrlich schattigen Privatplatz mit Familienanschluss parken konnten.


Ein Abendspaziergang zu dritt, der Schlossberg-Rundweg, stimmte bei mildem Abendlicht und sommerlichen Temperaturen herrlich ein auf einen geselligen Abend im Garten bei Mondenschein.


Wallfahrtskirche, Schlossruine und 500 Jahre alte Lindenbäume - sie hätten sicher viel zu erzählen.



Wanderung um St. Englmar am Samstag den 19. August 2018



Nach längerem Hin und Her, welche Teilstrecke des Goldsteig wir denn nun heute auf welchem Rundweg angehen wollen, entschieden wir uns für eine ca. 16 km lange Wanderrunde rund um St. Englmar. Davon etwa die Hälfte Teil des Goldsteig-Weitwanderweges (Südroute)  - die andere Hälfte aber nicht minder schön.


Weite Landschaften mit viel Wald und Wiese - aber vor allem viel Menschenleere und Ruhe


Über Stock und Stein, vorbei an Kapellen, Totenbrettl, die heute nur noch Gedenkbretter für Verstorbene sind. Die Tradition rührt daher, dass im kalten Bayerischen Wald in früheren Jahrhunderten die Toten, die im Winter starben, so lange in der Scheune auf Brettern gelagert wurden, bis der Boden wieder frostfrei genug war, sie bestatten zu können. Diese Bretter wurden dann verziert, beschriftet, aufbewahrt und später bzw. bis heute zu einer eigenständigen Tradition.


Einige Höhenmeter waren auch dabei - an diesem Tag ca. 550, die sich aber sanft verteilten


Der Ausblick vom 1095m hohen Hirschenstein gigantisch! Bei klarer Weitsicht, die wir allerdings nicht hatten, kann man von hier bis in die Alpen sehen. Doch für einen weiten Blick über den Bayerischen Wald reicht es auch bei etwas trüberer Sicht.


Ein Hochplateau, das zur Rast nur so ruft - auch wir lassen uns nicht lange bitten


Ab hier folgen wir bis zum Ende unserer Tour der Goldsteigroute


Als nächsten Gipfel, mit 1096m  der höchste der Gegend um St. Englmar, passieren wir den Knogl.


und auch hier präsentiert sich die Landschaft allen Sinnen weit und frei


Just als wir den Gipfel des Predigtstuhl erreichen, zieht ein kleines Gewitter mit Blitz und Donnerschlägen knapp an uns vorbei. Eine Botschaft von? Falls "ja"  ähm ..... *grübel*


Auf dieser Höhe finden sich noch unglaubliche Mengen an reifen Heidelbeeren, die in Ermangelung eines Transportbehältnisses ausschließlich in den Mägen nach unten transportiert werden.

Den wunderbaren Tag rundete ab, dass uns bei Rückkehr diverse Köstlichkeiten kredenzt wurden, die wir in erneut geselliger Gartenrunde gemeinsam genießen durften. Urlaub as it's best!


Teufelsmühlenmorgenlauf am Sonntag


Lang war er mit 5km nicht, mein kleiner aber dafür sehr feiner Morgenlauf zum Teufelsstein bzw. zur Teufelsmühle, wo der Sage nach der Teufel einem armen Müller Reichtum versprach. Als Gegenleistung sollte der Müller jede Woche ein Goldstück in einen Stiefel werfen. Sobald der Stiefel voll wäre, käme der Teufel diesen und die Seele des Müllers holen. Doch so oft er auch nachsah - der Stiefel füllte sich nie denn der schlaue Müller hatte einen Stiefel mit Loch in der Sohle gewählt. Als der Teufel den Betrug bemerkte, zerschmetterte er vor Wut mit riesigen Steinen die Mühle und fuhr zurück zur Hölle. Seele gerettet - Müller wieder arm ... wie das so kommt beim Pakt mit dem Teufel.



 Die Hügel und Weiten von Wäldern und Wiesen in mildes Morgenlicht getaucht


Weiche Waldwege, Menschenleere und Vogelgezwitscher


So präsentierten sich die Teufelssteine sehr friedlich am sonnigen Sonntag.

Nach wiederum genussvoll-gemeinsamem Frühstück im Garten verabschiedeten wir uns - versorgt mit reichlich frischem Gartenobst - wieder in Richtung München. 

Ein  kleiner Zwischenstopp mit Spaziergang musste allerdings noch sein


Ein Ort, so hübsch wie sein Name ;)



 Mit vielerlei Wanderanbindung in aller Herren Länder und Richtungen


Wie überall unterwegs überreicher Obstsegen - die vielen Bäume brechen unter ihrer Last stellenweise zusammen.


Insofern war der Versuch einer Apfelverführung mit eher wurmstichigem Exemplar zweifelhaft



Aber doch - der Umgarnte beißt auch diesmal zum Glück an :o)