18 Juni 2016

Guter Rat und gar nicht teuer! Oder: ein bisschen fromm darf sein.


Rückkehr aus Zwiesel. Mit einem Auto, das laut dortiger KFZ-Werkstatt eigentlich nicht mehr wirklich weit fahren sollte, da auslaufende Flüssigkeiten in nicht unbeträchtlicher Menge auf einen fortgeschrittenen Getriebeschaden hinweisen und eine Reparatur kaum noch lohnend wäre.
Eine ähnliche, wenn auch nicht gar so drastische Auskunft hatte auch schon die Münchener Werkstatt vor kurzem dem Gatten gegeben und den frischen TÜV verweigert (es hat aber noch ein paar Wochen). 

Ich aber wollte schlau(er) sein und einen Besuch bei den Lieben im Bayerischen Wald - und der war trotz Hiobs-Autobotschaft wunderschön! -  mit dem Versuch kombinieren, dort evtl. günstigere und freundlichere Beurteilungen zu bekommen und den in einigen Wochen von großer Paddeltour zurückkehrenden Gatten mit einem frisch fahrbereiten Auto überraschen. 

So weit, so schlecht: aus der schönen Überraschung wird wohl nichts. Die Mechanikerin riet mir, wenn überhaupt, dann sehr bedächtig und am besten über die Landstraße zurückzufahren, damit ich im Falle des Stehenbleibens besser auf's Abschleppfahrzeug aufgeladen werden könne. Vorsichtig fuhr ich - aber dann doch Autobahn. Ganz wohl war mir bei der Sache nicht - so wenig schalten wie möglich, wenn das Getriebe gerade dabei ist, trocken zu laufen.

Gemütlich dahinfahrend fiel mir ein Hinweisschild am Autobahnrand ins Auge, das in Wörth an der Isar eine Wallfahrtskirche mit dem schönen Namen "Mutter vom Guten Rat" verhieß.


 "Wenn ich auch Abstecher mit weiteren Schaltvorgängen nicht gebrauchen kann", so dachte ich mir "guten Rat kann ich gebrauchen" und fuhr kurz entschlossen von der Autobahn in Richtung Wörth ab.



Eine hübsche kleine Kirche fand ich. Offen zum Glück, leer und still. In einem Auszug zur Geschichte der Kirche suchte ich nach den Wundern, die diesen Ort zum Wallfahrtsort hatten werden lassen und fand folgenden Text:

Die Mutter vom Guten Rat ist nicht berühmt für spektakuläre Wunder, die sich vor dem Bild in aller Öffentlichkeit abgespielt hätten. Sie will uns in unserem Alltag begleiten und uns zur Liebe und Barmherzigkeit Gottes hinführen. Wer möchte von sich behaupten, er bräuchte nicht immer wieder wahrhaft "guten Rat" für sein Leben, für seinen Alltag und in den dunklen Stunden, die sich in jedem Menschenleben finden lassen? Augenscheinliche Hilfe erfahren oft Menschen, die sich in ihrem Leben überfordert fühlen und die aus eigener Kraft nicht mehr weiterwissen.  




Immer stärkeren Zulauf soll sie haben und das wundert mich nicht. Alltägliche Wunder sind irgendwie reizvoller als die total spektakulären Sachen, bei denen man doch meist nur (zweifelnder bis ungläubiger) Zuschauer bleiben darf. Die Dankes-Motivtafeln lassen erahnen, dass durchaus viele Bittende den guten Rat bzw. den Wegweiser zur richtigen Entscheidung gefunden haben.


Noch weitere Nebenaspekte der Gottesmutter werden in Statuen und Nebenaltären versinnbildlicht.


Eine Wallfahrtsfahne hinter Glas und modern-freundlich-lichte Glasfenster. Ein Buch mit vielen Bitten um guten Rat und Wegfindung, teilweise sehr ausführlich, innig und offen. Von jedem Tag finden sich Einträge - heute waren es nachmittags schon drei an der Zahl.


Es ist nicht das erste Mal, dass ich - auch in Andenken an einen hier nicht näher auszuführenden Rat, den mir vor mehr als 35 Jahren eine prägende Figur in meinem Leben etwas ironisch tadelnd mitgab - in einer Kirche eine Kerze anzünde. Das mache ich in unregelmäßigen Abständen hier und da und genieße innerlich fröhlich grinsend  den enthaltenen Widerspruch zum Agnostikerinnendasein.

Hier jedoch fallen mir im stillen Sitzen gleich viele aktuelle Dinge ein, zu denen ein guter Rat bzw. das Wissen um die richtige Entscheidung nicht ungelegen käme. Für mich und für andere. Und ich bin überzeugt, dass es wirkt: die Stille weist den Weg. Man kann es "beten", "meditieren", "innehalten" oder "in sich gehen" nennen: die Antworten finden sich in der Stille. Soviel ist mir - selber zumindest in Gesellschaft eher plapperig-lautem Wesen - sehr bewusst. Sie ist eine Oase, ein Kraftort, wo auch immer sie sich findet. Werde ich auf meine alten Tage noch fromm? Och - warum nicht ein bisschen? Einer meiner (viel zu vielen ;) Lebensgrundsätze lautet schließlich: "Öfter mal was neues versuchen - und am meisten Spaß bringen die Dinge, die man nicht kann."

Ich zünde nacheinander vier Kerzen an und bin noch lange nicht am Ende mit den Dingen, denen guter Rat Not täte. Bevor ich aber den gesamten Inhalt meines Geldbeutels im Kerzen-Opferstock versenke, stoppe ich. Belasse es bei den vier "Anliegen" - wenn das nicht mal schon eine gute Eingebung war! Nicht gleich unbescheiden alles wollen! Verharre noch einige Minuten, um mich wieder auf den weiteren Heimweg zu begeben. Wenig später wiederum gestoppt durch eine Eisdiele mit sehr leckeren Eissorten und riesigen Kugeln, das Stück für nur einen Euro *. Hier zu halten, das war auf jeden Fall - Schaltvorgänge hin oder her - schon wieder die perfekte Entscheidung :o)

Nun steht das Auto - mit untergelegter Pappe wegen der auslaufenden Flüssigkeiten - wieder in der Tiefgarage. Den Rat, was damit passieren soll bzw. welches das nächste wird, den soll sich der beste Mann der Welt abholen, das überlasse ich gerne ihm. Aber das wird dann sicher etwas teurer ;)


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für einen 10 Jahre alten Ford Focus mit gerade mal 120.000km auf dem Tacho, regelmäßig in Inspektion gewesen und alle noch so kleinen Macken immer direkt von Fachwerkstatt erledigt worden, finde ich das arg früh :(

in München ist der Preis für deutlich kleinere Kugeln schon bei meistens 1.40 € angekommen

Kommentare:

weinbergschnecke hat gesagt…

Das Auto braucht ja auch nicht Rat, sondern Tat und Ersatzteile ... ich glaube, von einer Muttergottes darf man Letztere wirklich nicht erwarten. Möge sie dir wenigstens in anderen Dingen hilfreich zur Seite stehen! ;-)

Blumenmond hat gesagt…

Ich bin ja Atheistin mit Leib und Seele und trotzdem zünde auch ich ab und zu eine Kerze an. Ich mag ja trotz allem diese Stimmung in Kirchen und kann auch gut verstehen, wenn sich Menschen hier Rat holen/zur Ruhe kommen, was auch immer. Erlaubt ist, was hilft, oder?

Jetzt ist der Gute also Paddeln... ich würd mich ja für ein paar Fotos oder Erläuterungen danach interessieren. Muss ich noch mal runter kommen, was?

Gruß
Anja

lizzy hat gesagt…

Anne, so ganz überflüssig ist guter Rat auch in Sachen Auto nicht. Wenn die Reparatur nämlich wie geschätzt um die 4.000 Euro kosten würde, dann lohnt das eigentlich nicht mehr und die Karre gehört ausgemustert. Oder vielleicht doch nicht und doch noch ein Versuch? ;)

Du gehst also gleich soweit, dich Atheistin zu nennen, Anja?! Bei mir enden die Denkversuche - mein (unser) Erbsenhirn kommt ja nicht wirklich weit damit - eher bei: "Keine Ahnung und ist mir eigentlich auch wurscht" mit der Tendenz zu "vermutlich eher nicht". Zudem meine ich auch, die Antworten im Selbst zu finden - ein Hilfsmittel dazu zu benutzen, sollte aber nicht unbedingt schaden.

Volker war just zu der Zeit in Manitou Falls (er gibt täglich seinen Standort in der Wildnis per GPS-Tracker durch) also so gesehen auf ähnlichem Trip. Das allerdings, weil es nunmal auf dem Weg liegt, den er schon zu über die Hälfte hinter sich gepaddelt hat. Halbzeit ist vorbei und er in drei Wochen schon wieder zurück. Was die Fotos angeht, gibt es ein Problem: seine Kamera hat vor einer Woche den Geist ausgehaucht bzw. zu Manitou geschickt, so dass er gerade jetzt im Nationalpark um die Manitou Falls herum höchstens noch mit iPad ein bisschen knippsen kann. Das ist natürlich wirklich ein Drama und er muss die Dinge biologisch abspeichern, wovon die Sicherungskopien nunmal nicht 1:1 möglich sind :(

regenfrau hat gesagt…

Liebe Lizzy,
diese Autoreparaturüberlegungen kenne ich gut. Habe ich bei dem einen in seinen letzten 3 Lebensjahren beinahe den Kaufpreis des nächsten investiert, flog dieses nächste dann beim ersten Anzeichen kostspieliger Reparaturen aus meinem Leben! :D

Kerzen, Stille und Zeit für sich tun immer gut. Auch in einer Kirche. Ich mag gerne kleine Kirchen, die mich nicht gleich optisch erschlagen und in denen man mal eine Zeitlang in Ruhe sitzen kann. Aber auch die Klosterkirche der Fraueninsel hat was anziehndes an sich. :)

Elke hat gesagt…

Liebe Lizzy,
10 Jahre und 120.000 km, da sollte das Blechle aber eigentlich noch nicht mit solchen Untaten aufwarten! Doof, ich drücke die Daumen, dass sich da eine gute Lösung findet. Schade, dass Du den Deinen nicht mit einem instandgesetzten Gefährt überraschen konntest.
Ich bin zwar auch nicht gläubig, aber in solchen Kirchen spürt man doch immer sehr das Hoffen und Bangen derjenigen, die dort ihre Votivtafeln angebracht haben. Und die Erleichterung, das anscheinend der/die jeweils verehrte Heilige anscheinend geholfen hat. Und wenn es nur ein Wunschglaube war, dann hat es doch auf alle Fälle dem Hilfe- und Ratsuchenden geholfen.
Hättest vielleicht ein kleines Teil des Autos dort deponieren sollen, als Pfand...?
Liebe Grüße
Elke

lizzy hat gesagt…

Ja Doris, ich plädiere auch eigentlich dafür, sich schneller von Autos zu trennen - aber ich habe gar kein Auto und manche Dinge entscheide ich dann eben doch nicht (alleine ;)
Ruhe auf der Fraueninsel? das ist aber sicher auch eher selten.

Für die Autogeschichte war gar keine Kerze dabei - mit solchen Banalitäten mochte ich die hohe Instanz dann doch nicht belästigen. Ich meine: es ist nur ein Auto! *s*

regenfrau hat gesagt…

Im November kann es auf der Fraueninsel herrlich ruhig sein! Vor allem Vormittags! ;)

deichlaeufer hat gesagt…

Ja ja, immer diese Agnostiker, die sich ein Hintertürchen offen halten, falls sie doch irgendwann einmal vor den Allmächtigen treten müssen, in der Hoffnung, dass er ihnen dann bitte doch nicht allzu böse ist :-)))

Kirchen haben halt etwas spirituelles. Ich mag das. Ruhe und innere Einkehr kann man dort auch ohne den klassischen Glauben finden.

Schon mal über ein gebrauchtes Getriebe nachgedacht?

Liebe Grüße
Volker

lizzy hat gesagt…

Dann schaunmermal, was der November bringt, Doris - danke für den Tipp :)

Gebrauchtes Getriebe wäre nicht alles, Volker - es gäbe noch anderen Baustellen: Frontscheibe, Keilriemen, irgendwas am Kühler ... zumal die Hardware ja meist nicht das entscheidende ist sondern die Arbeitszeit schlägt bei sowas massiv zu Buche. Nö. Alea iacta sunt - es fliegt raus. Aber wie gesagt: ab hier bin ich wieder nur Randfigur. Schließlich habe ich gar kein Auto ;)