04 Januar 2014

Schallmauern stürzen ein - Bestzeit!

5 Kilometer in 23:51 ≙  4:46 min/km  VDOT: 40.5 

Frauen gesamt:  (es gibt keine AK-Wertung beim 5er): Platz 4 von 16 (Siegerin Anja Kobs, Jg. 76 in 19:34)

Schallmauer 1:  5 Kilometer < 24 Minuten - diese Schallmauer hatte ich zwar insgeheim für irgendwann eingerissen phantasiert aber ganz sicher nicht für heute.

Schallmauer 2: VDOT > 40 - auch hier war ich nach Jahren, in denen ich es in diesem Leben nicht mehr für möglich gehalten hatte, inzwischen optimistisch. Aber nicht derartig drastisch und schon erst recht nicht für heute.

Freitagsberechnungen:

Du bist 5000m in 23:51 gelaufen. Dabei hattest Du ein Gewicht von 67.0kg, entsprechend einem BMI von 25.5. Das ergibt eine korrigierte Zeit von 20:12 bei einem Wettkampfgewicht von 55.1kg.


 Von 55.1 bin ich nach wie vor galaxienweit entfernt (und will dort - nach wie vor - überhaupt nie hin) aber um das Thema weiterzuführen, sei der Gewichtsverlauf der letzten Wochen präsentiert, aus dem sich unschwer erkennen lässt, dass auch bei mir die Weihnachts- und Jahreswechseltage den klassischen Verlauf nahmen: zuviel rumsitzen, wenig Bewegung, mehr als viel essen und (auch und insbesondere) Alkohol trinken (+ einige Zigaretten).

Die Vorbereitung bestand ausser Essen, 
 Trinken und Rauchen darin:

  • nach dem Nikolauslauf in Tübingen nur eher wenig (damit die geplante Jahresabschlusszahl endlich auch wirklich mal wieder auftaucht) und durchgängig ausschließlich nach Gefühl laufen. Keine Uhr am Arm, kein Laufband, kein Tempo (jedenfalls nicht geplant)
  • 5 Tage komplette Laufpause. Obwohl die Zeit für's Laufen vorhanden gewesen wäre und ich mir die Beine mühsam festtackern musste, habe ich auf Schwimmen, Saunen und Massagedüsen gesetzt. Und auf eine Gymnastikstunde "Bauch-Special" beim Sportverein, was mir nach Monaten der Gymnastik-Schlamperei einen mörderischen Muskelkater in der gesamten Bauch- und Rumpfregion verpasst hat. Deutlich spürbar noch heute auch auf dem S-Bahn-Weg zum Lauf
 Derart suboptimal (dachte ich - aber stimmt das auch?) vorbereitet monologisierte ich innerlich vor mich hin:

"Das ist doch beknackt: 16.10 € für Fahrt + Startgeld hinlegen, fast einen kompletten Samstag draufgehen lassen um dann irgendeine Pille-Palle-Zeit über 5 Kilometer zu laufen ... bleib' besser doch einfach zu Hause"

"Okay, wenn du hinfährst, dann weißt du ein bisschen, wo der Hammer für den Marathon-Trainingsplan  (jahaa, sowas wird es bei mir ab nächste Woche als absolutes Novum tatsächlich geben. Schaunmermal, ob ich das auch durchhalten werde ;) in etwa hängt und wie weit dich die Schluderei der letzten Wochen zurückgeworfen hat. Unter 25 Minuten wird's schon werden."

Somit lautete der bescheiden-entspannte "Plan": sub 25 Minuten laufen. Insbesondere, da ich wusste: die mir bekannte zwar flache aber nicht wirklich optimal zu laufende Strecke wird bei diesem nieselig-regnerischen Wetter über Teilstücke verschlammt und rutschig sein. Was sich bewahrheitete.

Die Entspannung wich radikal einem spontanen: "DANN EBEN DOCH!!!" als mir die Startnummer ausgehändigt wurde:  die 505 - wie toll ist die denn?! Sollte es ein Leser bisher noch nicht mitbekommen haben: ich habe ein absolutes Faible für "schöne Zahlen". Die 505 ist in meinen Augen unglaublich "schön" und damit war beschlossene Sache: sie hat es verdient, eine Bestzeit zumindest versuchen zu dürfen.

Randbemerkung: "schöne Zahlen" sind für mich nicht festgelegt auf ein immer gleiches Muster. Es können Schnapszahlen sein, symmetrische Zahlen, aufsteigende oder runterzählende Zahlen, logische Reihen etc. Entscheidend ist letztlich hauptsächlich, dass sie mir sympathisch ist ;-)  Erstaunlich oft (nachgerechnet habe ich es nie, würde aber behaupten, es liegt deutlich über "Zufallswert") bekomme ich derartige Startnummern ausgehändigt und noch erstaunlicher (jaja, ich weiß, dass es nicht die Zahl sondern höchstens der von ihr auf mich ausgehende "Psychofaktor" ist - total bekloppt bin ich auch wieder nicht ;) laufen sie häufig dann die Bestzeiten rein. Ich erinnere mich z. B. an 111, 333, 101, 5432 ... etc. Manchmal zog ich in Erwägung, einen Veranstalter um eine solche Startnummer zu bitten. Habe das dann aber immer verworfen weil ich erstens dachte: Glück lässt sich ungern zwingen! und zweitens möchte ich keine unnötigen Umstände machen (ich meine: wenn das jeder täte ...)

Kurz noch zum Hauptdarsteller: dem Lauf:

die Temperaturen sprachen für mich: 7°C, die Luftfeuchtigkeit allerdings sehr hoch und damit gefühlt kälter, klamm, unangenehm. Ich entschied mich für knielange Tight ohne Doppelschicht drunter, dünnes Langarmshirt mit dünnem Unterhemd drunter. Keine Weste, keine Kappe, keine Handschuhe. Perfekte Wahl! Ich lief mich 3 Kilometer brav und ordentlich warm, ein paar kleine Steigerungen und Sprints eingestreut.

10k und 5k werden zusammen gestartet - die meisten hetzen los wie blöd, ich stand zu weit hinten, hetzte überholend an vielen vorbei. Fühlte mich - wie immer auf KM 1 - langsam und bleischwer. Bei Kilometerschild 1 stellte ich entsetzt fest (SCHEISSE!; SCHEISSE!; SCHEISSE!), dass die Bleischwere samt Pfeifatmung vom viel zu schnellen Tempo herrührte: 4:32min sagte mir meine Uhr. Unglaublich! Aber ich war gewillt, es positiv zu deuten. So schnell kann ich ja kaum meine Intervalle auf dem Laufband abspulen und immerhin müsste ich jetzt nur noch 4 Kilometer rasen! Also weiter.

Aber nicht annähernd mehr so schnell. Nicht aus Vernunftsgründen sondern weil mich alles schmerzte: die Lunge pfiff, die Ohren waren wie verstöpselt mit Wachspropfen drauf. Als stünde ich auf einem Berg > 3000m oder wäre mit dem ICE in einen Tunnel gerast.

Spontaner Gedanke: "Gibt's hier eigentlich irgendwo in der Pampa auch Sanitäter falls ich mit Herzklabaster umkippe? Das dauert dann doch ewig ..."

Kilometerschild 2 habe ich übersehen. Mist! Kilometerschild 3 wieder wahrgenommen. Leider mit inzwischen derartig vernebeltem Hirn, dass ich mir die Zahl auf der Stopuhr nicht merken und noch viel weniger den Kilometerschnitt ausrechnen konnte. Egal - weiter!

Bei Kilometer 4 (Zahl konnte ich mir wieder nicht einprägen) errechnete ich immerhin: es wird Bestzeit! Wie im Rausch raste ich weiter, bog um eine scharfe Kurve, sah das Ziel und stellte nach flüchtigem Blick auf die Uhr fest: das wird nicht nur Bestzeit - das wird eine Zeit sub 24 Minuten, wenn ich jetzt nicht schwächele! Und ich tat alles, um das auch wirklich zu schaffen.  Taumelte ins Ziel, vergass, die Uhr zu stoppen für mehrere Sekunden und als ich sie dann doch stoppte, stand dort immer noch: 23:59 Minuten. Glasklar eine Zeit unter 24 Minuten - selbst dann, wenn die offizielle Handstopzeit etwas abwiche.

Den heißen Tee konnte ich vor Händezittern kaum sicher austrinken, ich keuchte noch eine Weile lang mit schmerzenden Bronchien vor mich hin. Beklemmungsgefühle, Zittern ... "Hab' ich jetzt doch ein bisschen übertrieben vielleicht ...?" ... schlich in die Umkleidekabine, begann zu hüsteln, zu husten, zu keuchen, Bronchienschmerzen, die Atmung rasselte deutlich ... Wieder die Frage innerlich: "Gibt's jetzt hier Sanitäter? Hab' keine gesehen ... fühlt sich an, als würde ich gleich Blut husten. Oder die Lungenflügel klappen zusammen ..."

Irgendwann ging's wieder besser. Heiserkeit und leichtes Hüsteln sind nach wie vor vorhanden. Was mir vermutlich sagen will: "Das war absolute Grenzmarke, meine Liebe!"

Also: erstmal jedenfalls ... ;)






Kommentare:

Tati hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch liebe Lizzy.
Zum Jahresbeginn gleich eine solche Hatz ist schon heftig. Doch du hast es super gemeistert und hast im Vorfeld mit der Pause deinem Körper die nötige Superkompensation ermöglicht ... ganz bestimmt ;-)

Liebe Grüße und viel Spaß und Erfolg beim Marathonvorbereitungstraining

Tati

Blumenmond hat gesagt…

Uff, nicht schlecht meine Liebe aber so zwischenzeitlich hatte ich Sorgenfalten beim Lesen auf der Stirn. Wenn die Läuferin selbst schon an Sanitäter denkt.

Aber Hut ab - das ist echt ziemlich schnell.

lizzy hat gesagt…

Danke dir, Tati :o)

Superkompensation hört sich jedenfalls total professionell an *s*

lizzy hat gesagt…

Guten Morgen Anja :o)

vielleicht ist es ein gutes Zeichen, wenn die Läuferin überhaupt noch denken kann? ;)
Hinterher hatte ich zwar keine Sorgen- aber Erschöpfungsfalten im ganzen Gesicht. Habe mich beim Blick in den Spiegel (derselbe Spiegel in der Umkleide, in den ich vorher völlig zufrieden geschaut habe) total erschrocken weil mich ein komplett zerfurcht-vernichtetes und in kürzester Zeit deutlich gealtertes Antlitz anstierte.

Blumenmond hat gesagt…

Ab einem gewissen Alter (irgendwas mit ner 4 davor) sieht man tatsächlich jeden Stress (psychisch oder physisch) im Gesicht abgemalt. Ich weiß, wovon Du schreibst. :-) Es gibt ein Bild von mir von der Frankfurter Marathon-Staffel, das ist so gruselig, dass ich den Kollegen unter Androhung von körperlicher Gewalt verboten hab, das irgendwo in die Veröffentlichung zu bringen.

lizzy hat gesagt…

nun ist bei mir ja schon eine ganze Weile die 5 vorne, da glättet es hinterher dann auch nicht mehr so flott wieder ;)

nordlaeufer hat gesagt…

Ein schöner Jahresauftakt!

Wenn man bei einem 5er nach einem Kilometer an den Sanitäter denkt und sich überhaupt fragt, was der ganze Sch**ß soll, hat man offensichtlich das richtige Anfangstempo getroffen.

Kurzzeitig war ich etwas überrascht ob des bevorstehenden Marathontrainings (und das sogar mit Plan) aber auch hier gilt natürlich die alte Weißheit mit dem Geschwätz von gestern.

Jörg hat gesagt…

Langfristiges Training birngt halt doch was. Gratulation, du hast es dir als Abschluss des Jahres verdient.
Alles Gute für das neue Jahr

Jörg

lizzy hat gesagt…

Ralf, das mit dem "Geschwätz von gestern" hatte ich schon selber mal irgendwann schamvoll eingestehen müssen. Ja - ein bisschen geniere ich mich deshalb schon. Andererseits: solange mein Geschwätz und meine Wankelmütigkeit keinem andren schadet außer mir selber bzw. meinem Ruf, solange genehmige ich sie mir lieber als meinen Ruf zu retten und ... ja was ... zu verzichten? nur noch inkognito Marathons zu versuchen? ... ;)

Was ich mir auf jeden Fall vorgenommen habe: nicht mehr um jeden Preis ins Ziel kommen wollen. Würzburg war wirklich Angst einflößend - ich hatte noch ein paar Tage lang massive Kreislaufschwächen und Herzstolperer. Habe mir jetzt auch einen Termin gesucht, bei dem ich vor Hitzeeinbrüchen wirklich verschont bleiben sollte. Sogar im Weinbaugebiet.

Jörg, was meinst du mit "Abschluss des Jahres"? :o< Das war doch der Anfang und nicht der Abschluss. Möchte gerne den Triple schaffen indem ich zum dritten Mal in Folgejahren hintereinander neue Bestzeiten auzfstelle in 5k (erledigt), 10k und HM. Und beim Marathon dann endlich auch. Sollte das wieder nicht funktionieren, dann dann dann dann ... versuch ich's eben später nochmal mit einem neuen Trick ;-)

Martin hat gesagt…

Na da hat doch noch jemand eine neue Bestzeit erlaufen !Glückwunsch Lizzy! Und unkonventionelle Vorbereitungen liegen uns doch wohl im Blut :-)
Dazu toll geschrieben und sehr gut nachvollziehbar :-)

LG
Martin

binoho hat gesagt…

Ich glaubs ja nicht :-) , da stolpert unsereiner im neuen Jahr zum ersten mal mühselig wieder 10km lang durch die Gegend und führt seine mit frischem Akku bestückte FR305 aus und dann bekomme ich beim Eintragen im kmspiel auch noch Deine neue Fabelzeit mitgeteilt.

Gratuliere, toll was für ein Ding das Du da rausgehauen hast. Das kann ja wieder ein irres Jahr für Dich werden. Viel Erfolg dabei!

Gruß, Norbert

lizzy hat gesagt…

Dank'schön Martin (noch jemand? - ich geh mal bei dir gucken. Du auch?) und Norbert (ob ich mir das Jahr wirklich *irre* wünschen sollte? ... ich meine: reicht doch, wenn ich es ein bisschen bin *s* ;)

Anonym hat gesagt…

Glückwunsch zum erfolgreichen Jahresauftakt. Ich kann die 49:xx schon riechen.......
Gruß
Sigrid

lizzy hat gesagt…

Danke Sigrid :) Wie eine sub 50 wohl riechen mag? Ich bin gespannt ... vielleicht ganz schön streng ;)