01 August 2012

Titelbildkulisse


Kurz nach Loswandern in Campo Base ein Blick zurück auf das Dörfchen Chiappera, stellt mein bester aller Männer fest: "Das kenne ich doch!" und zeigt aufs Panorama seitlich. Tatsächlich. Schon hundertfach gesehen. Mehrmals täglich. Denn: wir blicken auf das Titelbild unseres Wanderbuches, nur im Original. Sogar die Sonne ist auf demselben Stand. Ist aber auch wirklich ein toller Anblick!



 Sobald der Betrachter allerdings den Winkel des Blicks ein bisschen verschiebt, zeigt sich die bittere Wahrheit: alles nur Kulisse und mit schwerem Material hier aufgebaut ;o)



Später dann: Hochmoor mit wieder anderer Pflanzenwelt und einem höllischen Schwefelgestank. Glücklicherweise tut sich kein Spalt auf, der uns verschlingt.



Wir erreichen unverschlungen  den Colle Ciarbonet, kurz hinter dem sich nun der beste Ehemann seinerseits vor die Kulisse drapiert und eigentlich auch ein hübsches Titelbild des Tages abgibt ...



Auch nach  inzwischen 12 Wandertagen durch Blütenmeere nie vorher gesehener Ausmaße immer noch nicht satt und wenn zwei meiner ausgemachten Lieblingsblümmscher grad' so schön nebeneinander wachsen, sind sie mir auch nochmal ein Foto wert.


Wildrosensträucher allfastüberall



dieses kleine aber feine "Refugio" hat's ihm sofort angetan. Das Häuschen - wieder etwas hergerichtet - wäre eine Mini-Privatprachtvilla in exponierter Lage



ab und zu könnte es natürlich passieren, dass einige der Kühe, die hier in Hundertschaften weiden, sich dazugesellen. Die Weide umfasst den kompletten Talabschnitt, so dass Wanderer dieser Etappe sie komplett durchqueren müssen. Im Laufe unserer 14 Etappen haben wir vielleicht 5 oder 6 eingezäunte Kuhweiden passieren müssen. Manchmal nur kurze Stücke - manchmal stundenlang. Manchmal bekam man die Kühe wegen der Weitläufigkeit gar nicht zu Gesicht oder nur aus der Ferne, manchmal marschierte man mittendurch.

Die Weiden zu umgehen, ist nicht möglich. Zumindest nicht, wenn man diese Etappe gehen möchte. Denn meistens werden sie an den Rändern von den Bergrücken begrenzt. Durchgehen oder gar nicht, das sind dann die Alternativen. Wobei ich mit Kuhweiden und Kühen kein Problem habe. Finde sie nett und habe auch noch nie irgendwelche Aggressionen erlebt.

Also fotografierte ich einpaar idyllische Mama-Kälbchen-Bildchen, bog um eine Ecke und ... *ffffffffff*flüchtete mich vorsichtshalber ein bisschen hinter den schützenden Rücken meines Gatten. Denn das, was dort nur wenig entfernt stand, das war keine Kuh und kein Kälbchen. Auch kein Ochse oder Jungbulle - das war ein ausgewachsender Stier und eindeutiger Chef der Truppe. 



Nirgendwo ein Baum, kein großer Fels - nichts, auf das mensch sich im Bedarfsfall hätte retten können - ein bisschen schlotterige Knie bekam ich dann doch. Flott vorbeigehuscht - zum Glück behielt Volker recht mit seiner These: "der interessiert sich gar nicht für uns sondern nur für seine Mädels .." traute ich mich erst wieder aus sicherer Entfernung die dann abgewandte Rückfront des Stieres zu knippsen.



Erst hinterher riet uns ein Schild irgendwas, das ich in dem Moment ohnehin nicht übersetzen konnte, sich aber später als Rat erwies, sich den Tieren nicht zu nähern. Okay - auch ohne Schild hatte ich keinerlei Bedürfnis, einen Stier zwischen den Hörnern zu kraulen ;)



Manche der "Stromversorger" an den Weidezäunen fallen vermutlich eher unter die Rubrik: "Placebo"



kreative architektonische Konstruktionen lassen sich bewundern



bis wir endlich an einem sehr heißen Nachmittag das sehr idyllische Etappenziel Chialvetta erreichen.







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Etappe: Campo Base - Chialvetta am 12. Juli 2012

Wanderzeit: 8:15 - 14:35 Uhr - keine längere Pause
 Höhenmeter:   810 ↑    970 ↓
Distanz: ca. 15,8  km
Begegnungen:   unterwegs: relativ gut belegten Campingplatz überquert aber keine Wanderer-Begegnungen, in der Osteria della Gardetta weitere 7 Gäste in 2 Grüppchen, deutschsprachig.
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Kommentare:

Blumenmond hat gesagt…

Diese Puschelblumen kenne ich gut von Irland und Schottland. Man versinkt an den Stellen meist recht tief im Morast. Wieder schöne Fotos, wieder Fernweh. *seufz*

lizzy hat gesagt…

Morast war da oben glaub' ich, keiner. Aber feuchter als sonst üblich schon. Wobei es gar nicht selten war, dass irgendwo auf über 2000 Meter Höhe plötzlich Moore auftauchten, Feuchtflächen mit Kröten etc. Das erwartet man da meist nicht nach langem Marsch bergauf durch Hitze, Steinwüste und Trockenheit. Ach genau: Fernweh! ich auch manchmal schon wieder ein bisschen ...

Trudy und die Tibis hat gesagt…

Ist schon angenehm, wenn ab und zu etwas aus der Zivilisation auftaucht, finde ich. Schön war es wiederum heute!
LG, Trudy