31 Mai 2012

Schafschur und Hobbyschäfer


Mehrere Kilometer abseits eines ohnehin ziemlich abseits gelegenen Städtchens im Hessenlande ...


liegt - verborgen hinter wuchernden Hecken, Büschen und Bäumen, am Rande von dichten Wäldern, blühenden Feldern und weiten Streuobst- und Kräuterwiesen  ...


... ein kleines verwuchertes Paradies. Hier sammeln fleißige Bienen seit mehr als 50 Jahren Honig. Hier wurde vor mehr als 20 Jahren meine erste unvergessen gebliebene Hündin "Lümmel" begraben.



Hier reift die Grundlage für leckerste Wein- und Obstlersorten - fast noch per Hand angesetzt, ausgewählt und in kleinen ortsnahen Keltereien und Brennereien weiterverarbeitet zu edelsten - teils auch sehr geistreichen ;-)  Getränken.



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Hier weidet nun auch seit dem letzten Jahr eine ...


... bzw. sind es im Grunde genommen zwei ...





kleine, bunt gemischte Schafherden dreier Hobby-Neuschäfer.


Wenn's um die wichtigen Dinge im Leben eines Schafes geht, werden Rassenvorurteile der europäischen und afrikanischen Vertreter überwunden. Am Trog fressen sie dann doch gemeinsam  ;-)



Kleiner, vorwitziger Kamerun-Schafbock


Chefin der europäischen Herde beim Salzsnack.



Um der Bürokratie Genüge zu tun, wird vorschriftmäßig geohrchipt, wo es noch nicht erledigt war.


Und auf geht's zur ersten eigenhändigen Schafschur der Hobby- und Nachschreibtischäter- Feierabendschäfer. Technische Starthürden werden mit Sach-, Menschen- und Ingenieursverstand gemeinsam gemeistert.



Zeitlich ziemlich überfällig, präsentieren sich die Wollrassen in dichten, verfilzten Pullovern aus fettiger Wolle.



Lassen sich aber relativ leicht und friedlich zum Haarschnitt bitten und zunächst sieht es aus als würde die Übung gelingen.



Die Breite der Schafchefin schon kurz darauf halbiert, dichte Filzberge plumpsen ins Stroh


Ein bisschen gerupft sieht's schon aus - im Vergleich zu dem, was Profischäfer mit Profimaterial an Schafhaarschnitten zu zaubern pflegen. Aber immerhin: für die kleine freche Dame dürfen Sommer und Hitze kommen. Bzw. bleiben - denn sie sind in dieser letzten Maiwoche schon in strahlender Schönheit da.


Auch Schafdame Nummer 2 - wesentlich größer, schwerer und auch etwas scheuer, lässt sich noch leicht in den Frisierbereich bitten.


Hält einigermaßen stille als die ersten dicken Wollschichten fallen. Verliert aber mit zunehmender Zeit und abnehmender Schärfe des suboptimalen Nichtprofi-Schergeräts die Geduld ...


... so dass wenig später das Kräfteverhältnis recht unausgewogen ist: 4 Männer und ein Schaf  ;-)



Wie gut, dass aus München ein schon in Kindheit und Jugend als Schafsflüsterer geübter Besuch mitanwesend ist, der dem die Geduld verlierenden Schafsmädchen leise beruhigende Geschichten ins Schlappohr blöken kann.

Die Prozeduren zogen sich länger dahin als vermutet, die Schermaschine versagte, so dass von fünf zu scherenden Schafen zweieinhalb auch tatsächlich geschoren wurden. Das dritte und damit "Halbschaf" war leider schon verladen - sie wurden anschließend in Ermangelung eines treibenden Hütehundes etwas modern-unkonventioneller per Anhänger auf die nächste abzugrasende Weide verfrachtet - als die wegen Umlandfotografie gelegentlich abwesende Fotodokumentatorin  die Unterbrechung bzw. den vorläufigen Abbruch der Aktion nicht mitbekam und damit auch die Fotoserie etwas unfertig und abrupt endet. Ohne Foto vom halbgeschorenen Wendeschaf mit Sommer- und Winterseite.


Schade.

Aber Spaß gemacht hat's schon!


Kommentare:

Jörg hat gesagt…

Das ist ja eine nette Fotodoku, wenn auch nur halbfertig.

Grüße

Jörg

Trudy und die Tibis hat gesagt…

Jaja, aller Anfang ist schwer.. Sieht aber trotzdem hoffnungsvoll aus.
Hast dich in deiner Erzählkunst wieder selber übertroffen Lizzy!
Herzliche Grüsse, Trudy

lizzy hat gesagt…

Jörg und Trudy: Dank'schön für's Zugucken und Kommentieren.
Leider bin ich nicht mehr vor Ort, wenn das halb geschorene Schaf zum Vollsommerschaf wird und eine nächste Ebene der Scherkunst Einzug hält bei den Schäfern. Sonst würd' ich ja weiter dokumentieren ...

Tati hat gesagt…

Herrliche Bilder von dieser Aktion. Habe ein breites Grinsen im Gesicht und werde nächste Woche bestimmt dran denken, wenn zum Dorffest die "Profis" Schafschauscheren. (Cooles Wort)
Liebe Grüße
Tati