19 Februar 2012

Brüderchen und Schwesterchen


Bei den beiden (Halb?)Geschwisterkatzen (Bubi, 1, 5 Jahre jung und Kitty, knapp 2 Jahre) merkte man vom ersten Begegnungsmoment an: da schwingt was! Zunächst zart und vorsichtig - man kennt sich schließlich nicht - beide waren sich nie vorher begegnet-  und allesamt sind sie plötzlich unter vier statt nur unter zwei Katzen. Fremde Katzen, für einige fremde Umgebung, fremde Menschen, neue Gerüche ... also wird vorsichtig erstmal Abstand gehalten.



Nicht zu übersehen aber: die beiden lassen sich nicht aus den Augen, nähern sich zusehends an, die Stimmung wird fast minütlich vertrauter und lockerer.


*


Bis mich dann heute nacht ein Mordsgerumpel weckte. Ein Toben und Krachen, ein fröhliches Spielen und lustiges Jagen durchs ganze Haus. Treppauf und Treppab ... bevorzugt aber - wie könnte es anders sein - im seit Katzengenerationen bewährten abgenudelten Flokati-Ring. Eindeutig: es ist Liebe zwischen dem Bub und seiner (Halb?)-Schwester Kitty. Schade, dass Gretchen, die Mama der beiden, das nicht mehr mitbekommt. Sie - die selber so harmoniesüchtig und freundlich war wie sonst höchstens noch ihr Bubi-Sohn, hätte sich sicher darüber gefreut.

Und die anderen beiden? Sind ein bisschen aussen vor bei soviel Geschwisterliebe und Begeisterungsstürmen. Samadhi etwas eifersüchtig weil plötzlich in die zweite Reihe verwiesen. Knaddert und knoddert, grummelt und geht eben viel raus oder kuschelt mit uns Menschen. Findet es aber schon auch spannend, dem Treiben ein bisschen zuzugucken. Sieht aus als würde sie auch gerne mal mitmischen ...
Kitty-Töchterchen Flocke dagegen hätte gerne die Gesamtregentschaft im Haus übernommen. Wehrt Annäherungen aller drei anderen knurrend und fauchend ab (zu ihrer Mama hat sie auch zu Hause ein eher angespanntes Verhältnis). Was lediglich dazu führt, dass keine der drei anderen Katzen sie überhaupt mehr beachtet. Sie wird ignoriert, bei kurzen Begegnungen höchstens ein kleines Fauchen hier, ein warnendes Knurren dort. Sie hält sich - wie Samadhi -  extrem verschmust und koboldig spielend und kosend an uns Menschen, aber natürlich nie gleichzeitig. Oder sie malträtiert ausdauernd die Kugelbahn. Macht dabei aber durchaus den Eindruck von Fröhlichkeit und guter Laune.

* * *

Kleine Nebenanekdote am Rande: gestern Abend bekamen wir Besuch von Jacko, dem Riesenkater von nebenan. Samadhis Sohn und somit Onkel von Bub und Kitty. Bubis Spielkumpel. Er guckt ja öfter mal bei uns rein. Unregelmäßig und meistens so, dass er uns nicht oder nur kurz begegnet. Dann wieder längere Zeit gar nicht.

Gestern also quetschte dieser Riese sich durch die kleine Katzenklappe - es ist  immer wieder ein witziges Bild - hinter ihm kam der Bub ebenfalls rein. (Kitty und Flocke zeigen zum Glück keinerlei Anzeichen, die Katzenklappe und ihre Funktion zu erkennen. Wobei Kitty sie ja früher selber schon benutzt hat und auch interessiert daran rumschnüffelt. Sollte sie sie aber tatsächlich erkennen und nutzen - noch drängt es sie nicht raus - dann bin ich mir recht sicher, dass sie auch mit der Umgebung klarkäme, sich erinnern würde und nicht weglaufen. Flocke hat nie eine Katzenklappe erlebt und sich noch nicht in deren Nähe begeben oder Interesse daran gezeigt. Beide sind übrigens zu Hause Freigänger. Aber ohne Katzenklappe).

Jacko musste direkt an Kitty vorbei, die in max. 50cm Abstand ganz locker und gelassen zuguckte, wer da wohl vorbeimarschiert. Völlig unbeeindruckt. Jacko nahm sie wahr, hielt einen winzigen Moment lang an, die beiden gucken sich direkt an ... und marschiert genauso locker und gelassen weiter Richtung Küche. Im Flur saß Flocke. Die sich flott zwei Treppenstufen höher begab und ihn von dort unfreundlich knurrend anraunzte. Jacko hielt wieder - aber wieder nur sekundenkurz - inne, schaute sie an. Ich schwöre: er hat die Stirn gerunzelt und leicht irritiert den Kopf geschüttelt ;)

Vermutlich dachte er bei Kittys Anblick noch: "Hallo Schwester Gretchen, bist ja wieder da ..." ... um dann bei Flockes Anblick Zweifel an seiner Wahrnehmung zu bekommen: "Seh' ich jetzt schon doppelt oder was ..?".

Weiterhin ohne irgendwelche emotionalen Schwankungen oder Regungen: keine Veränderung der Körperhaltung, kein Laut, kein aufgestelltes Härchen oder ähnliches, defilierte er in unverändert lässigem Tempo auch an Flocke vorbei - er ist einfach die coolste Katersogge überhaupt -  kontrollierte in der Küche die Fressnäpfe: u. a. auch wegen ihm steht dort nie Trockenfutter (das er liebt), kein Rohfleisch (auch da würde er klauen soviel die Schüsseln hergeben) sondern nur Dosen-Nassfutter (das verabscheut er - hat meines Wissens nach noch nie auch nur daran genippt. Genau das soll er ja auch nicht. Sondern zu Hause essen).

Nun stand er also wieder in der Küchentür mit Blickrichtung Katzenklappe. Auf dem Weg dahin sage und schreibe 4 Katzen (das Haus ist groß genug - aber irgendwie wollen die alle immer da sein, wo wir gerade sind), von denen er zwei nicht kennt.  Er setzt sich kurz in den Türrahmen und jetzt guckt er MICH an. MICH, die er sonst behandelt als wäre sie weniger als Luft für ihn. Ob ich ihn rauswerfe, ihm schmeichele, wie schön er doch ist, ihm näher komme ... egal: ich bin für ihn noch nichtmal nichts. Einfach nicht vorhanden. Jetzt nimmt er bewussten Blickkontakt auf. Geht mehrere Treppenstufen runter Richtung Ausgangstür, nochmal Blickkontakt zu mir und ich verstehe: "Komm, lass mich mal vorne zur Haustür raus - das ist mir irgendwie doch zu viel Verwandtschaft, die da bei euch im Wohnzimmer hockt. Will ich eigentlich nicht nochmal durch."

Hab' ich natürlich sofort gehorcht und ihn rausgelassen. Katzenwünsche sind mir Befehl. Seitdem ward er bisher nicht mehr gesehen und ich gestehe: ich bin froh drüber. Die Viererbande reicht absolut!

Kommentare:

Martin hat gesagt…

Immer wieder absolut lesenswert deine Katzengeschichten. Ehrlich, die könntest du mal als Buch veröffentlichen!

lizzy hat gesagt…

Danke Martin. Aber ich veröffentliche doch. Hier ;-)