28 Juni 2010

Omasitting



Lass den Kelch an mir vorübergehen ...


Vorgeschichte (nicht verfilmt ): Während drei mit der Mutter fröhlich tobende Kinder lärmend über die Etage purzeln, schleicht sich leise und heimlich die Oma der Familie – Mutter der Mutter – die Treppe hoch und beobachtet aus sicherer Warte das bunte Treiben.

Sie war wochenlang nicht auf dieser Etage, hat immer unten ihre Familienmäuse abgeliefert und die Begegnung mit den Enkeln vermieden. Seit wenigen Tagen betritt sie wieder ab und zu das Stockwerk mit ihren Nachkommen. Aber meist nur, um der Menschenfrau, wenn sie noch im Bett liegt, zu sagen, dass sie bitteschön endlich aufstehen und frisches Futter auspacken soll.

Und sie ist leise, schleicht nur vorbei, wenn die Kleinen im andren Zimmer schlafen – vermeidet jede unnötige Begegnung mit den Enkelkätzchen.

Als ihre Tochter ihre Mutter an der Treppenabsperrung stehend wahrnimmt, hört sie auf mit der Toberei, geht zu ihr hin, begrüßt sie per Nasenstüber und hüpft an ihr vorbei die Treppe herunter für eine kleine Auszeit: „Schön dass du kommst, liebe Mama – pass bitte einen Moment auf die Kleinen auf. Ich bin gleich zurück.“ Zu den Kindern ruft sie: „Kinder, die Oma spielt ein bisschen mit euch. Seid artig und hört auf sie!“ Zum ersten Mal beäugt sie ihre anwesende Mutter nicht misstrauisch, sondern vertraut ihr ohne zu zögern den Nachwuchs an. Wozu hätte man auch eine Oma im Haus, wenn sie nicht ab und zu die Enkel hütet?!

Die Oma springt widerwillig über die Absperrung und mitten zwischen die Enkel, die ihrer Mama hinterher gucken. Aber sie gehorchen und schauen etwas ängstlich aber erwartungsvoll ihre Oma an. Diese grummelt missgelaunt vor sich hin: „Als ob’s nicht reicht, wenn ich koche und Futter ranschleppe. Jetzt soll ich mich noch mit den Blagen abgeben …“. Schnell versucht sie, sich aus dem Grüppchen zu lösen und rennt ins Schlafzimmer zur Hochbettleiter (die gegen das Erklimmen kleiner Katzenstöpsel abgesichert ist).

Alle Enkel rennen flott hinterher. Mama hat gesagt, Oma würde mit ihnen spielen und sie sollen gehorchen.






Brave Miezen!





(Hier startet die Filmsequenz):






Samadhi (weiterhin genervt):

„Könnt ihr nicht einfach spielen und mich in Ruhe lassen?“ Denkend: „Machen die nicht. Was weiß denn ich, was ich mit dem jungen Gemüse anfangen soll“ *grummel* „… überhaupt sind die doch total unerzogen .. Jugend von heute .. keine Disziplin … ich hatte auch keine Oma im Haus und musste alles alleine stemmen … können gar nicht mehr alleine spielen, verzogenes Pack heutzutage … hab sowieso längst vergessen, was man mit Kindern spielt. Ist viel zu lange her, dass meine klein waren … „ *weitergrummel* „Bring ich mich eben außer Reichweite, dann spielen die schon ohne mich weiter …“

Die Kinder: „Oooomaaaa, Mama hat gesagt, du spielst mit uns!“

Samadhi: „Schleicht euch!“ „Dumme Dinger – die gehen einfach nicht weg! Geh‘ ich eben …“


(zweite Filmsequenz):






„Schnell noch kontrollieren, ob meine viel zu antiautoritäre Tochter auch alles im Griff hat. Komische Erziehungsmethoden manchmal. Aber mich fragt ja niemand … Ob alle ordentlich auf die Katzenklos gehen, Futternapf richtig steht, genug zu trinken für alle?“ „naja, ok. Passt schon.“

„Jetzt sind diese kleinen Nervensägen doch schon wieder hinterhergerannt. Können die nicht EINMAL Abstand halten. Dieses vorwitzige schwarze Ding übertreibt’s jetzt aber wirklich.“ „Kleine Ohrfeige hat noch keiner Katze geschadet …“ *zupatschend und grummelnd ab …*


Nachspiel (ohne Theater, Film, Funk und Fernsehen):


Während das Jungvolk unbekümmert miteinander spielt, folgt die Menschenfrau, die mit den Miezen in einem Haus wohnen und sie versorgen darf, Samadhi ins Wohnzimmer nach unten. Wo die Omamieze energisch darauf hinweist, dass sie sich noch nicht wie eine Oma fühlt und jetzt GEFÄLLIGST! spielerisch geentertaint werden möchte. (Möglicherweise ist das das Problem - der Nachwuchs aus Folgegeneration beleidigt ihre damenhafte Eitelkeit und Jugend ;-)

Kurz darauf kommt Gretchen von ihrer kleinen Streiftour zurück, will ihre Mutter begrüßen und fängt sich einen kleinen Aggressionsausläufer in Form eines giftigen Anfauchens ein.

Faucht Gretchen zurück oder ist gar beleidigt? Mitnichten! Sie verschwindet kurz nach oben, wo sie sich vermutlich kurz von der Unversehrtheit ihrer Kinder überzeugt, ist keine Minute später wieder bei uns und fordert nun ihrerseits ihre grantige Mutter, deren Grantigkeit sie geflissentlich vollkommen ignoriert, zu ausgelassenem Spiel auf. Ohne einen Funken Groll, wie immer grenzenlos sanft, gutmütig und mit nicht zu überbietender Diplomatiefähigkeit. Die launische, sprunghafte nicht-Bilderbuch-Oma ist schnell besänftigt und es folgt eine fröhliche Mutter-Tochter-Toberunde durch die untere Etage mit Abstechern in den Garten.


~~~ HappyEnd - Vorhang ~~~



Kommentare:

Monika hat gesagt…

Deine Katzengeschichte und Julchens Rosalie und Trüffel- Bilder, die haben heute meinen Tag gerettet! *lach*

LG Moni

Anett hat gesagt…

Herlich, Kino kann nicht schöner sein.

weinbergschnecke hat gesagt…

Großartig!

Pienznaeschen hat gesagt…

Wunderbar (be)schreiben was bei Euch passiert ... (und ich kann die Oma irgendwie verstehen;))

lizzy hat gesagt…

die Oma verstehen? *tztztz* Sogar die Ohrfeigen für die Enkelin? :-O
Ich finde sie schon immer ein bisschen zu autoritär (auch mir gegenüber ;) und launisch. Aber was willste machen - dieses Viehzeug wickelt einen eben einfach um die Pfote ...